Full text: Brüstlein, Alfred: ¬Die Grundzüge des Entwurfes eines eidgenössischen Betreibungs- und Konkurs-Gesetzes

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im Vereine mit andern Pfändungsgenossen, durch die Aufechtungs 
klage die Rechtmäßigkeit der vollzogenen Pfändung zu beweisen und 
deren gerichtliche Bestätigung zu erwirken. 
Als letzten Trumpf spielt Herr Bachmann die Bemerkung aus, 
die Anschlußpfändung sei nichts anderes, als eine Art beschränkten 
Konkurses. Das ist buchstäblich wahr. Die Lage eines Mannes, der 
plötzlich von allen seinen Gläubigern gepfändet würde, und diejenige 
eines Konkursiten haben — mit und ohne Anschlußpfändung — eine 
verzweifelte Aehnlichkeit. Aber es ist erstlich nicht gesagt, daß die 
Gläubiger jeweilen alle auf's Mal dem Schuldner über den Hals fallen; 
und zweitens hat selbst in diesem Falle der Ausgepfändete vor dem Kon 
kursiten zweierlei voraus: keinen Schuldenruf, und längere Fristen, ehe 
er gänzlich depossedirt wird. Diese Vergünstigung ist, wenn Schuldners 
Finanzlage wirklich hoffnungslos ist, eine geringe. Allein das wird sie 
in vielen Fällen nicht sein, und gesetzt, sie wäre es, so ist das noch 
kein Grund, um dem Schuldner von voruherein selbst diesen geringen 
Trost und letzten Rettungsanker zu mißgönnen. 
Meine Aufgabe ist hiemit zu Ende. Ich habe mich bemüht, 
sämmtliche von Herrn Bachmann gegen den eidg. Entwurf vorgebrachten 
Einwendungen einzeln auf ihren Werth zu prüfen und — wo möglich 
zu widerlegen. Nebenbei trachtete ich, soweit es in den Rahmen einer 
bloßen Gelegenheitsschrift sich einpassen ließ, die Grundzüge des Gesetzes 
in selbstständiger Weise zu entwickeln. 
Der Leser möge nun richten. Wie er sich immer zum Systeme 
des Entwurfes stellen möge, hoffe ich, wenigstens diese eine Ueberzeugung 
in ihm befestigt zu haben, daß das Gesetz, um dessen Annahme oder 
Verwerfung es sich demnächst handeln wird, ein wohldurchdachtes, durch 
bestimmte privatrechtliche und wirthschaftliche Erwägungen getragenes 
Werk ist, und keineswegs eine bloße „Machenschaft", bestimmt, wie 
Herr Bachmann insinuirt „den größten Lumpen vor der Ehrenstrafe 
zu schützen" und „einer gewissen (auf Beseitigung des Stimmrechts 
entzugs gerichteten) Parteipolitik zum Siege zu verhelfen. 
Es steht mir als einfachem Schweizerbürger nicht an, diese Ver 
dächtigung der Tendenzen der Bundesbehörden zurückzuweisen; doch sei 
mir wenigstens gestattet, meinen verehrten Herrn Gegner daran zu
	        
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