Full text: Brüstlein, Alfred: ¬Die Grundzüge des Entwurfes eines eidgenössischen Betreibungs- und Konkurs-Gesetzes

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vor genau die sechs Monate, welche der Pfändung vorangingen. Die An 
fechtungsfrist aber, welche Herr Bachmann mit dem anfechtbaren Zeitraum 
zu verwechseln scheint, dauert, mit oder ohne Anschlußpfändung, noch 
etwa 4½ Jahre, d. h. bis zum Ablaufe der fünfjährigen Klagverjährung. 
Aber — wendet Herr Bachmann ferner ein — 
„es erhält 
dann auch der nachfolgende Gläubiger seinen Antheil an der durch 
die Anfechtung erzielten Beute.“ Diesem Einwande liegt offenbar 
die irrige Anschauung zu Grunde, daß durch den Gewinn eines 
Anfechtungsprozesses dem Kläger ohne weiteres eine Beute in die 
Hände falle. Hievon ist keine Rede. Die Anfechtungsklage hat 
lediglich die Aufhebung eines bestimmten vom Schuldner abgeschlossenen 
Rechtsgeschäfts zur Folge. Die damit frei werdende „Beute" kann 
von jedem beliebigen Gläubiger gepfändet werden; dem Kläger steht auf 
dieselbe keinerlei Vorrecht zu. Auch Solche, deren Forderung lange 
nach Abschluß des anfechtbaren Geschäfts entstanden ist, können darauf 
Beschlag legen. Herr Bachmann findet dies vielleicht sonderbar; 
allein verhält es sich etwa im Konkurse anders? Fällt ein durch 
die Anfechtungsklage vom Konkursverwalter wiedergewonnener Betrag 
nicht auch in die Konkursmasse, um unterschiedslos allen Gläubigern 
zuzukommen, gleichviel ob ihre Forderung vor oder nach dem ange 
fochtenen Geschäfte entstanden war? 
Die Anfechtungsklage, wie sie (in Abweichung von der gemein 
rechtlichen Paulliana) im eidg. Entwurfe normirt wird, ist eben nichts 
weiter, denn ein Werkzeug, um die mittels betrügerischer Geschäfte 
versteckten Aktiven des Schuldners ans Tageslicht zu fördern. Was 
aus diesen Aktiven hernach werden soll, ist eine andere Frage. Darum 
hat die Anfechtungsklage mit der Frage der Anschlußpfändung ganz 
und gar nichts zu schaffen. 
Ein vorsichtiger Gläubiger wird sich übrigens wohl hüten, in's 
Blaue hinein auf eigene Gefahr einen Anfechtungsprozeß anzustrengen, 
ohne sich zuvor darüber Gewißheit zu verschaffen, auf welchen Antheil 
an der Beute er im Falle des Prozeßgewinns zu rechnen hätte. Es 
steht ihm hiezu ein sehr einfaches Mittel zu Gebote: anstatt erst nach 
Erledigung der Anfechtungsklage deren Ergebniß zu beschlagnahmen, 
beginne der Gläubiger damit, daß er zum voraus dieses eventuelle 
Ergebniß pfändet; er warte hierauf den Ablauf der Anschlußfrist ab 
sei es 
und sehe dann zu, ob es sich lohne, sei es auf eigene Faust,
	        
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