Full text: Brüstlein, Alfred: ¬Die Grundzüge des Entwurfes eines eidgenössischen Betreibungs- und Konkurs-Gesetzes

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serie gelange, wie aber anderseits C. den A. zum Zuwarten bewegen 
könnte, damit A., B. und C. in der nämlichen Serie rangiren. Hiegegen 
-ist verschiedenes einzuwenden: erstlich, daß die Rechtsordnung sich nicht 
um alle denkbaren Ausnahmsfälle scheeren kann; zweitens, daß, Konnivenz 
unter einzelnen Gläubigern oder zwischen Gläubiger und Schuldner 
vorausgesetzt, unter jedem Betreibungssysteme noch ganz andere Kniffe 
möglich sind, als dieser; und drittens, daß das ganze Institut der 
Anschlußpfändung nicht auf die paar wenigen Forderungen berechnet 
ist, welche gerade um die kritische Zeit herum fällig werden, sondern 
auf jene viel zahlreichern Forderungen, welche längst fällig sind, deren 
Inhaber jedoch zugewartet hatten, weil Keiner der erste sein wollte, 
der den Hasen aufjagt. 
Die Besorgniß, irgend einem denkbaren Ausnahmsfalle nicht ganz 
gerecht zu werden, darf überhaupt den Gesetzgeber nie davon abhalten, 
für die Fälle, welche die Regel bilden, zu sorgen. Es giebt kaum 
einen noch so vernünftigen Rechtssatz, dessen vollendete Absurdität ich 
mich nicht an irgend einem an den Haaren herbeigezogenen Beispiele 
nachzuweisen getraute. 
Herr Bachmann hält sich auch darüber auf, daß, wenn Gläubiger 
B. 30 und Gläubiger C. 32 Tage später, als Gläubiger A. pfändet, 
B. und A. zusammen die erste Gruppe bilden, während doch eher 
B. und C., die einander zeitlich viel näher stehen, als B. und A., 
zu einer Gruppe geschlagen werden sollten. Man reiße damit zeitlich 
sich sehr nahe stehende Gläubiger auseinander, um sie mit zeitlich viel 
entferntern Gläubigern konkurriren zu lassen. Auch diese Bemerkung 
ist vollkommen richtig; sie läßt mich jedoch völlig kalt. Denn da man 
den Anschluß der Gläubiger nicht ewig gestatten kann, so muß irgend 
einmal Thorschluß erklärt werden. Die Frist von 30 Tagen ist ab 
sichtlich gerade lange genug bemessen, damit Jeder, der eine liquide 
Forderung besitzt, noch zum Anschlusse bequem Zeit finde. Wer die 
Frist versäumt, muß in Gottes Namen draußen bleiben, und wäre 
er auch nur einen Tag zu spät. Geradezu paradox ist daher Herrn 
Bachmanns Behauptung: „je mehr Sie die Anschlußfrist ausdehnen, 
desto mehr setzen Sie sich mit der Idee des Institutes in Widerspruch. 
Es ist doch sonnenklar, daß je größer die Anschlußfrist, desto 
mehr Personen Aussicht haben, zu gleichmäßiger Befriedigung zu ge 
langen; und die Bestimmung der Frist auf dreißig Tage — keinen mehr
	        
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