566 B. Th. Absch. II. C. 5. Geschlechtsv. A. II. Ehel. Vormdsch.
vendi ratio. Haltaus), daz si irs guotes vor im angest hät,
(daz sol si erziugen mit zwein mannen zuo ir selber), so
sol der rihter irem vormunde einen boten geben üf daz guot,
u. sol sich des underwinden. unde swer ir dar nach dehein
leid dar an tuot, der ist fridebräche. daz sol der rihter rihten
als reht ist. unde hät er ir morgengäbe gegeben, si sol für
den rihter varen, u. sol ir morgengäbe behaben als vor gesprochen ¬
ist. u. der rihter sol si üf ir morgengäbe schirmen,
Hiernach ist also die Frau, wenn sie in Gefahr ist, daß
ihr Mann ihr Vermögen durchbringen werde, nicht nur berechtigt, ¬
dem zu widersprechen, sondern sie kann auch mit Hülfe
eines von ihr zu diesem Zweck besonders gewählten Vormunds
gegen ihn vor Gericht klagen, und wenn sie zu beweisen vermag, ¬
daß er einen solchen Lebenswandel führt, daß ihr Gut
bei ihm in Gefahr steht, so soll der Richter ihrem Vormunde
gestatten, sich mit Hülfe des Gerichtsboten ihres Guts zu unterwinden. ¬
Wenn ihr, heißt es ferner, hinterher jemand ein
Leid an ihrem Gute thut, so soll dieß als Friedensbruch betrachtet, ¬
und er deßhalb bestraft werden. Endlich soll es ebenso
wie mit dem der Frau von jeher eigenthümlichen Vermögen
auch mit ihrer Morgengabe gehalten werden.
Dieser Grundsatz des Schwabenspiegels ist nicht nur in
mehrere auf das Recht desselben gebaute, sondern selbst auch
in einige Quellen Sächsischen Rechts übergegangen 6, und
6) Zu den Quellen der erstern
der richter tzwen pfleger ir nächsten
Classe gehört namentlich das Baier.
germagen geben, u. die sullen sich
Landr. Tit. 11. Art. 9. (Heudez ¬
guetz underwinden bis man siecht
mann p. 81): „Het ein fraw auf
daz der man recht wil tun, u. sol
dem Lande einen man, der als under ¬
richter ir schirmer sein darauf.
geraten wär, das er der frawen
Ist das es in ein stat ist, so sol
u. iren kinden das guet unendlich
man es nach des ratz haisse also tun,
anwürde, die sol mit iren frewnu. ¬
sol der rath schirmer sein." Diese
den zu dem richter gien, u. sol
Stelle ist aufgenommen in die Freydann =
mit iren frewnden u. mit
singer Statuten v. 1359 (b. viren -
nachtgepawrn weisen, das ir
Freyberg S. 187. Art. Von
man alz unendlich sey, so sol ir
ainem ungeratten man), hat darin