Volltext : Böhmert, Carl Victor: Freiheit der Arbeit!

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derbliche  Einrichtung  des  gezwungenen  Wanderns,  wie  sie  jetzt
besteht  und  einem  Gift  gleich  an  dem  Mark  des  deutschen  Handwerkerstandes ¬
  zehrt,  nicht  besser  verurtheilen  als  mit  dem
bekannten  Spruche:
„Wer's  Wanderbuch
Durch  Deutschland  trug!
Von  Schmach  und  Trug
Litt  er  mehr  als  genug!"
Das  mehrjährige  gezwungene  Wandern  ist  am  verwerflichsten
und  widersinnigsten  bei  denjenigen  Gewerben,  welche  nur
in  gewissen  Jahreszeiten  eine  lohnende  Beschäftigung  in
Aussicht  stellten,  wie  das  Maurer-  und  Zimmergewerbe.
Die  Gesellen  dieser  Gewerbe  erheben  daher  auch  die  lauteste
Klage  über  diese  Pein  ihres  Wanderlebens.  Ihnen  bleibt
oft  nichts  übrig,  als  im  Winter  von  Haus  zu  Haus  fechtend
sich  auf  der  Landstraße  in  möglichst  kurzen  Tagemärschen
herumzutreiben.  Ein  Vater,  der  seinen  Sohn  zur  Zeit  des
Sommers  ganz  von  selbst  auf  Arbeit  in  die  Fremde  schicken
würde,  ist  dadurch  gezwungen,  ihn  auch  im  Winter  preiszugeben, ¬
  während  er  daheim  auf  einer  Bauschule  oder  in
anderer  Weise  für  dessen  theoretische  Ausbildung  vortrefflich
sorgen  könnte.
Das  an  sich  heilsame  Wandern  wird  erst  nach  Wegfall
des  Zwanges  seinen  wohlthätigen  Einfluß  auf  den  Handwerksgesellen ¬
  ausüben  können.  Wenn  uns  die  Zunftmeister
einreden,  „daß  falls  man  das  Wandern  ganz  in  den  freien
Willen  eines  jeden  Einzelnen  stellen  wollte,  ein  großer  Theil
ruhig  in  der  lieben  Vaterstadt  bleiben,  und  seine  Geschäfte
gerade  so  forttreiben  würde,  als  es  der  Vater  und  Großvater ¬
  getrieben  hat",  so  antworten  wir,  daß  ja  gerade  die
echten  Zünftigen  nicht  von  dem  lassen  wollen,  „was  der
Vater  und  Großvater  getrieben  hat."  Bei  jedem  Schritt,
            
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