Volltext : Bodungen, Ferdinand von: ¬Die Waldrechte in Elsaß-Lothringen, deren Entstehung, Regelung und Ablösung

Entstehung  der  Waldrechte.
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heiten  wurden  mit  Zeichen  umgrenzt,  und  Marken  hergestellt. ¬
  Der  unabsehbare  Wald  blieb  Eigenthum  Aller
in  Bezug  auf  Bedürfnisse,  die  er  befriedigen  konnte.  Die
Nutzungen  der  Jagd,  der  Weide,  der  Mast,  des  Holzes  ec.
waren  fast  werthlos.  Lange  Zeit  konnten  dieselben  bei
pärlicher  Bevölkerung  und  einem  überreichen  Waldbestande
unbeschränkt  und  unbegrenzt  ausgeführt  werden.  Mit  der
zunehmenden  Ausdehnung  der  Ansiedelungen  traten  aber
allmählich  Ueberschreitungen  ein.  Bedenklich  wurde  der
Jäger  bei  der  Verfolgung  des  Ebers  und  der  Hirt  bei
der  Begleitung  der  Herden.  Vereinbarungen  entstanden
unter  den  benachbarten  Hof=  und  Dorfbewohnern.
In
den  durch  die  natürliche  Lage  und  Begrenzung  bestimmten
Waldorten  bildeten  sich  Markgenossenschaften  zur
regelrechten  Ausübung  der  gemeinschaftlichen  Waldnutzungen.
Abgelegene  und  unzugängliche  Wildnisse  in  den  großen
zusammenhängenden  Waldungen  waren  davon  ausgeschlossen
und  dienten  als  Eigenthum  Aller  der  Jagdleidenschaft  und
Götzenverehrung.
Den  Kern  des  Volkes!  bildeten  die  Freien.  Unter
diesen  standen  die  Hörigen  (Liten  oder  Halbfreien);  sie
entbehrten  des  freien  Grundbesitzes  und  besaßen  nur  Land,
für  das  sie  einem  Herrn  dienten  oder  zinsten.  Noch  tiefer
standen  die  Knechte,  die  als  Sache  galten,  ge-  und  verkauft ¬
  werden  konnten  und  somit  in  harter  und  strenger
Abhängigkeit  sich  befanden,  jedoch  mit  der  römischen  Sklavereiwirthschaft ¬
  wenig  gemein  hatten.  Es  gab  auch  einen,
wenn  auch  nicht  sehr  zahlreichen  Adel;  seine  Mitglieder,
die  „Adalingen"  oder  „Ethelinge",  galten  als  besonders
angesehen  und  einflußreich.  An  der  Spitze  der  Verwaltung
stand  der  vom  Volke  aus  der  Klasse  der  Edeln  gewählte
Gaufürst,  der  Graf.  Nur  bei  den  wichtigsten  Angelegenheiten ¬
  über  Krieg  und  Frieden  und  im  Kriege  trat  an
die  Spitze  der  Völkerschaften  ein  ebenfalls  vom  Volke  gewählter ¬
  Heerführer,  Herzog.  Das  Herzogthum  zerfiel  in
1  Die  Kelten  behaupteten  die  Ureinwohner  zu  sein.  100  vor
Chr.  hatten  sich  bereits  deutsche  Stämme,  die  Rauriker  und  Sequaner,
die  Triboker  und  Nemeter  im  Elsaß,  sowie  die  Mediomatriker  in
Lothringen  niedergelassen.
            
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