über das nordamerikanische Gefängnißwesen.
ren, während in beiden Fällen dabei die armen Gefangenen das
„kindische" Verfahren zu erdulden hatten. Wenn auch bei Anwendung -
des Schweigsystems nicht so viele starben oder verrückt wurden,
blieben das Kindischmachen und Kindischwerden neben andern Uebeln -
als heillose Resultate zurück. Onanie zerrüttete die Gesundheit
einer Menge nicht nur, sondern diese pflanzte dieß ohnehin schon arg
verbreitete Laster nach ihrer Entlassung in verstärktem Maße fort,
und das unvermeidliche persönliche Bekanntwerden der Gefangenen
unter einander zog überdem später viele üble Folgen für die Gesellschaft -
nach sich, so daß dieselbe ohne Ausübung vieler Grausamkeiten, -
d. h. ohne Anwendung des ganzen Bußapparates, kaum übler
daran gewesen sein dürfte, als mit demselben.
Was man zur Verbesserung des Gefängnißwesens angeführt hat,
will ich hier nicht wiederholen, es besteht zumeist nur in Palliativen.
Die Radicalmittel, bessere Erziehung, bessere Gesellschaftseinrichtungen, -
liebevollere Behandlung und vor allem Geduld, scheinen mehr
unter das Capitel über fromme Wünsche gezählt zu werden, und gewiß -
mit vielem Rechte. So lange im allgemeinen hier die alttestamentarische -
Lebensauffassung verfolgt wird mit ihrer grobkörnigen
Selbstsucht, gespickt obendrein mit heuchlerischem Pharisäismus, werden -
die Majoritäten nicht dahin zu bringen sein, ein humaneres und
weiseres Verfahren in der angegebenen Richtung einzuschlagen, und
wenn Humanitätsprediger nur als unpraktische Faseler verlacht und
verspottet, nicht aber getheert, gefedert und erschlagen werden, so muß
dieß hier schon als großer Zeitfortschritt gelten, dem das derbe Auftreten -
direct nicht zusagt. Die kraftvolle Rohheit, das mit Zweckenstiefeln -
auftretende Laster wird vom verfeinerten Barbarismus auch
hier zu Lande aus der Gesellschaft verbannt; kaum daß Judge Lynch
— wie man das Lynchverfahren scherzhaft personificirend nennt
noch hie und da gelegentlich einmal das Rauhe herauskehrt. Wer
aber die Sache des Humanismus schärfer im Auge hält, und das
Thatsächliche vom Schein zu unterscheiden weiß, der sieht ein, daß
die sich stark brüstenden Amerikaner überall sehr viel taube Nüsse
knacken. Die Leutchen sind, wie ihre Meubeln, aus rohem Holz
maschinenmäßig zugeschnitten und dann mit gleißendem Lack übervinselt. -
Von solider Politur im Sinne der alten Welt nur selten
einzelne Spuren!
F. A. f. d. u. a. C. R. LXVII. 1.
Vorage
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zu Berlin