fullscreen : Bodemer, Heinrich: Zur Beurtheilung der Entwurfs einer Gewerbe-Ordnung für das Königreich Sachsen

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XI.
Die  Hausindustrie=Gewerbe.
Unter  den  Leistungen  der  höhern  und  fabrikmäßigen  Industrie
nehmen  die  sogenannten  Hausgewerbe  noch  jetzt  wie  ehemals  in
allen  industriellen  Ländern  und  besonders  in  Sachsen  eine  sehr  bedeutende ¬
  Stellung  ein.  Die  Meinung,  die  Hausgewerbe  für  ein
Mittelding  zwischen  Handwerk  und  Fabrikation  zu  betrachten,  ist
eine  richtige,  so  lange  der  Producent  seine  Erzeugnisse  direct  an  die
Consumenten  verkauft.  Sobald  diese  Erzeugnisse  sich  aber  zu  Gegenstanden ¬
  des  allgemeinen  Verbrauches  und  folglich  zu  Handelsartikeln
ausbilden,  gehen  sie  in  die  industrielle  Production  über  und  haben
nunmehr  mit  dem  Handwerksbetrieb  nichts  mehr  als  etwa  die  Fundamente ¬
  der  technischen  Herstellung  gemein.  Indessen  herrschen  über
die  eigentlichen  Zustände  der  sogenannten  Hausindustrie  so  viele  und,
wie  es  scheint,  selbst  dem  Gesetzentwurf  nicht  ganz  fremd  gebliebene
irrige  Begriffe  vor,  daß  eine  nähere  Erörterung  dieses  für  Sachsen
so  wichtigen  Gewerbebetriebes,  sowie  ein  kurzer  Rückblick  auf  den
Ursprung  desselben  gestattet  sein  wird.  Sobald,  in  der  Vorzeit  eben
so  wie  heute,  gewisse  Erzeugnisse  einen  allgemeinen  und  folglich
großen  Verbrauch  fanden,  wurden  sie  nicht  mehr  im  Einzelnen  auf
besondere  Bestellung,  sondern  im  Ganzen  auf  Vorrath  und  Verkauf
angefertigt  und  es  betraf  dieß  natürlich  zunächst  solche  Gegenstände,
welche  von  Jedermann  und  überall  verwendet  werden  konnten,  ohne
an  die  Person  oder  den  Ort  gebunden  zu  sein.  Diese  Erzeugnisse
wurden  daher  Handelsartikel  und  den  Gewerbsmeistern  feste  Bestellungen ¬
  darauf  von  den  Kaufleuten  ertheilt;  die  großen  Meister
gaben  die  Arbeit  wieder  an  kleinere  Meister  aus,  lieferten  aber
Waare  und  Rechnung  selbst  an  die  Kaufleute  ab.  Auf  diese  Weise
bildete  sich  schon  im  frühesten  Mittelalter  der  Absatz  deutscher  damaliger ¬
  Handwerkserzeugnisse  nach  den  fremden  Ländern  aus,  vornehmlich ¬
  in  Geweben,  Waffen  und  Lederarbeiten,  wie  in  Kunstund ¬
  Luxusgegenständen  verschiedener  Art.  Als  nun  dieser  Absatz
            
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