Volltext : Goldschmidt, Salli: ¬Die Landarbeiter in der Provinz Sachsen, sowie den Herzogtümern Braunschweig und Anhalt

Arbeitsgelegenheit.
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heit  oder  aus  ähnlichen  Gründen  geschehe,  vielmehr  behaupten
sie,  dass  keiner  weggehen  würde,  wenn  hier  auch  nur  annähernd
ausreichende  Erwerbsgelegenheit  zu  finden  wäre;  und  das  ist  auch
das  Urteil  der  Bauern,  obwohl  diese  doch  selbst  unter  dem  Abzuge ¬
  zu  leiden  haben«.  Zwar  —  so  meint  der  Referent  —  verstärke ¬
  der  einmal  erregte  Wandertrieb  den  Abzug  über  das  wirtschaftlich ¬
  notwendige  Mass  hinaus  und  verursache  einen  fühlbaren
Mangel  an  landwirtschaftlichen  Arbeitern,  »aber  so -
  führt  er
aus  —  die  Landwirtschaft  würde  nicht  den  zehnten  Teil  der  von
hier  in  die  Fremde  gezogenen  Arbeiter  ernähren  können,  wenn
sie  alle  zurückkämen«.  Auch  für  die  zurückbleibenden  Arbeiter
ist  nur  während  des  Sommers  ausreichende  Arbeitsgelegenheit
vorhanden;  im  Winter  suchen  sie,  soweit  sie  nicht  als  ständige
Tagelöhner  dauernden  Lohnerwerb  gefunden  haben,  Verdienst
beim  Holzhacken,  Steineklopfen,  in  Zuckerfabriken,  Steinbrüchen,
Ziegeleien  u.  dgl.  Die  Arbeit  in  den  Ziegeleien  soll  sehr  schwer
sein;  sie  dauere  monatelang  von  früh  3  bis  abends  9  Uhr  und
gefährde  die  Gesundheit  in  hohem  Masse.  In  einer  Reihe  von
Dörfern  wendet  man  sich  einer  kümmerlichen  Hausindustrie  zu
im  Kreise  Langensalza  und  Mühlhausen  z.  B.  der  Handweberei;
im  Kreise  Heiligenstadt  (3)  werden  besonders  Besen  hergestellt,
»wozu  ein  Teil  des  Materials  meist  gestohlen  wirde.  Der  Verdienst
hierbei  ist  ein  geradezu  jammervoller,  denn  nach  den  Angaben
des  Berichterstatters  bringen  es  auch  Familien,  »die  es  mit  besonderem ¬
  Eifer  betreiben«,  auf  nur  tausend  Stück,  die  à  10  Pfg.
in  den  Städten  Allendorf,  Heiligenstadt  und  Göttingen  abgesetzt
werden.  Der  Bruttoertrag  beläuft  sich  nach  Abzug  der  Kosten
für  Materialbeschaffung  auf  rund  75  Mark.  Beim  Holzhacken  verdient ¬
  der  Mann  o,80  bis  1,00  Mark,  während  der  Monate  April
und  Mai  beim  Tannen-  und  Eichenpflanzen  1,00  bis  1,20  Mark.
Für  den  Kreis  Mühlhausen  (2)  wird  die  dem  Tagelöhner  in  den
einzelnen  Monaten  sich  bietende  Arbeitsgelegenheit  folgendermassen ¬
  angegeben:  April  und  Mai:  Pflanzen  und  Behacken  der
Erdfrüchte.  Juni:  Klee-  und  Grasmähen.  Juli:  Holzzerkleinern.
August--Oktober:  Erntearbeit.  November—Januar:  Dreschen.
Februar  und  März:  Bei  den  Bauern  keine  Arbeit,  dagegen  Be
schäftigung  im  Walde  (Holzfällen,  Aufklaftern  und  Wellenmachen).
Ueber  einen  nachteiligen  Einfluss  der  relativ  noch  wenig
eingeführten  Maschinen  werden  erhebliche  Klagen  nicht  laut.
Die  Güter  sorgen  meist  für  Beschäftigung  ihrer  ständigen  Arbeiter
Goldschmidt,  Landarbeiter.
            
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