Full text: Zeitschrift für Rechtsgeschichte (Bd. 3 (1864))

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Nudorff,

nullo inutili, nullo desueto in his penitus inveniendo. Gleich-
wohl bleibt selbst die unvollkommene Restitution, auf welche wir uns
beschränkt sehen, eine Aufgabe, deren Lösung die geschichtliche
Rechtswissenschaft nicht unversucht lassen darf, da das Edict sowohl
als historisches wie als systematisches Verbindungsglied für die tie-
fere Erkenntniß der Continuität des römischen Rechts von ganz
unvergleichlicher Wichtigkeit ist.
Für diese Aufgabe sollen in der gegenwärtigen Abhandlung
die leitenden Gesichtspunkte festgestellt werden, ohne welche mit der
Restitution selbst nicht methodisch vorgeschritten werden kann.
Es sind nämlich — um gleich hier im Eingänge zusammen-
zufassen, was im Einzelnen in den drei letzten Abschnitten dieses
Aufsatzes auszuführen sein wird — es sind drei Punkte, auf welche
das Augenmerk zu richten ist.
Das Erste und Dringendste bleibt natürlich die Entfernung
der fremdartigen Zusätze, welche bereits, die römischen Interpreten
in die Commentare ausgenommen hatten, ferner die Beseitigung
des Schuttes, welchen der vierhundertjährige Gebrauch der Edicts-
commentare in den Rechtsschulen des sinkenden Alterthums ange-
häuft hat, weiterhin die Ausscheidung der Justinianischen Inter-
polationen, endlich die Verwerfung aller Versuche, den Wortlaut
des Edictstextes da Herstellen zu wollen wo nur der Sinn und
Inhalt überliefert ist.
Erst wenn durch eine solche kritische Vorarbeit alle ächten
Trümmer zu Tage gekommen sind, kann zu dem zweiten positiven
Theile der Aufgabe geschritten werden, an den noch Niemand ernst-
lich Hand gelegt: zur Herstellung der verlorenen Klag- und Stipu-
lations-Formeln. Man hat sie nicht selten nur für eine Art juris-
dictioneller Ergänzung des normativen Edicts gehalten, die auf
einem besonder« Album aufgestellt gewesen wäre. Aber wenigstens
die Klagformeln bilden den Kern, zu welchem sich die edictalen
Gemeinbescheide, also gewisser Maßen die Gesetzesworte des Edicts,
nur als Fassung und Einleitung verhalten. Die Herstellung der
Formeln ist daher der Mittelpunkt 'der ganzen Ausgabe. In eini-
gen Fällen wird sie wörtlich und vollständig gelingen. In den
meisten fehlt die wörtliche Überlieferung, allein aus der Verwerthung
in den Commentaren ist wenigstens die directe edictale Formel,
wenn nicht wortgetreu, doch dem Sinn und Gehalt nach mit hoher
Wahrscheinlichkeit zu reconstruiren.

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