Full text: Zeitschrift für Rechtsgeschichte (Bd. 3 (1864))

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Schroeder,

mit einer unfreien Frau erzeugt hat; daß in diesem Falle auch die
Kinder unfrei sind, wird l, 51 §. 1 ausgesprochen: "eil rechtlos
man mut wol elik wif nemen unde kindere bi ire gewinnen,
die ime evenburdich sin; die muten ok wol sin erve nemen,
unde irer müder also, wende sie en evenburdich sin; se ne
tveien von in mit egenscap” Der Umstand, daß hier
auch von der Möglichkeit, die Kinder könnten sich von der Mutter
mit „Eigenschaft zweien", die Rede ist, erklärt sich so, daß die
Mutter von Hause aus frei gewesen, durch die Verheiratung mit
einem unfreien Manne aber selbst unfrei geworden ist und ihm
unfreie Kinder geboren hat; indem sie nun stirbt, wird sie wieder
frei (wenn sie es nicht schon vorher durch den Tod ihres Mannes
geworden ist), und die unfreien Kinder können sie nicht beerben.
Wir haben jetzt noch zwei Stellen zu betrachten, welche vor-
zugsweise dazu beigetragen haben, das Rechtssprichwort "Svar ’t
kint is vri unde echt, dar behalt it sines vader recht” irr-
thümlich auf den Stand der Bollfreien zu beschränken. Ssp. I,
51 §. 4: "Svelk scepenbare vri man enen sinen genot to
kampe an sprikt, die bedarf to wetene sine vier anen
unde sin hantgemal unde die to benomene, oder jene wei-
geret ime kampes mit rechte.” III, 29 §. 1: **Nen scepen-
bare man ne darf sin hantgemal bewisen, noch sine vier
anen beuümen, he ne spreke enen sinen genot kampliken
an.” Man hat aus diesen Stellen geschloffen, daß nur derjenige
als schöffenbarfrei gelte, welcher, außer der dinglichen Grundlage
seines Standes, dem Handgemal, auch die Abstammung von vier
schöffenbarfreien Großeltern Nachweisen könne, also von Vater-
und Mutterseile her schöffenbarfrei sei.^) Man berief sich für
diese Auslegung auf eine Urkunde vom I. 1122 (Schannat, Vin-
demiae litter. I, 115), in welcher ein Vollfreier als "natus de
parentibus liberis judiciariae dignitatis” bezeichnet wird;
allein daraus folgt doch noch nicht, daß er, wenn seine Mutter
eine Freie niederen Standes wäre, nicht zu den Schöffenbarfreien
gehören könnte. Nach unserm Rechtssprichwort muß er vielmehr
auch in diesem Falle dem Stande des Vaters folgen, und dies geht

«) Vgl. Homeyer, Heimat 22; Sachsenspiegel ll d. 304. Stobbe,
Zeitschr. s. deutsch. R. 15, 328. Walter §. 443.

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