Full text: Zeitschrift für Rechtsgeschichte (Bd. 3 (1864))

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Brun»,

Man sieht leicht, daß die Frage das innerste Wesen der
Popularklagen berührt. ES hängt davon ab, ob man sie als selbst-
ständige Klagen des Klägers, sei es aus eigenem Rechte oder ans
einem Rechte des Staats, oder als procuratorische Klagen für den
Staat anzusehen hat, ob sie also eine Art Polizeiklagen mit popu-
larer Staatsanwaltschaft bildeten, wie Savigny°) annimmt, oder
ob sie auf irgend welcher anderen Idee beruheten. Die Frage
bietet daher historisch jedenfalls interessante und wichtige Seiten dar;
aber auch practisch hat sie ein Interesse vom Standpunkte der
neueren Bestrebungen, dem allgemeinen Anklagerechte im Straf-
processe auch bei uns einen gewissen Boden, ähnlich wie im engli-
schen Rechte, zu verschaffen.
Bei der Beantwortung der Frage muß aber eine größere
Detailuntersuchung, als bisher, zu Grunde gelegt werden. Erst
daraus läßt sich ein fester Boden für die Aufstellung der allgemei-
nen Gesichtspunkte gewinnen. Diese wird daher erst am Schluffe
der Abhandlung (§. 9) versucht werden, und damit dann eine Ver-
gleichung des englischen Rechtes, in welchem sich Popularklagen in
großer Ausdehnung finden, verbunden werden..

I.
Bei der genaueren Untersuchung über die römischen Popular-
klagen hat man zmlächft die verschiedenen Gebiete, auf denen sie
sich bewegen, von einander zn trennen. Man hat danach zu
scheiden:
die Popular-Actionen auf Geldstrafen wegen öffentlicher Delicte,
die Popular - Interdicte zum Schutze der Benutzung der res
publieao,
die verschiedenen sonstigen Verhältnisse, bei denen man Popu-
larklagen annimmt.
Die Geldstrafen sind das Gebiet der eigentlichen aetlo
'popularis im Gegensätze zn den interlliota popularia. Zur
Bestimmung der Stellung, die sie hier einnimmt, ist e.s nöthig,

*) Da« Obligationenrecht d»'s heut. röm. Rechts. B. 2. S. 310.

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