Full text: Zeitschrift für Rechtsgeschichte (Bd. 4 (1864))

Dekret der Dekurionen von Puteott.

485

Unterscheidende der superficiarischen Verträge von der gewöhnlichen
locatio liegt nicht in dem superficium als ihrem unmittelbaren
Gegenstand. Jeder superficiarische Vertrag ist eine conductio soll,17)
daS solarium, wie schon der Name angiebt, eine Vergütung für
den Gebrauch des solum; daS Recht am superficium also nach
rein juristischer Betrachtung einerseits die Folge, andererseits das
Motiv jener conductio soli. Daher eben der Mangel einer eigen-
thümlichen Bezeichnung für den superficiarischen Vertrag. ")
Dürfen wir ihn als Grundlage für das dem Atimetus zu erlassende
Solarium unbedenklich ergänzen, so ist die juristische Fixirung des
neu begründeten Verhältnisses nach der remissio nicht ohne Zweifel.
Die remissio erfolgt nicht bedingungslos, sondern mit dem Beding
1) ut ad diem vitae cius (des M. Laelius Atimetus)
usus et fructus potestasque aedificii sui ad se per-
tineret;
2) postea autem rei. p. nostrae (coi. Flav. Aug. Puteo-
lanorum) esset.
Hierbei darf man es zuvörderst mit dem „suuma nicht zu genau
nehmen. Die Stadt Puteoli wird in Wahrheit nicht erst durch
den Tod des Atimetus Eigenthümerin des Gebäudes, sie ist eS
von Anfang an, nur bis dahin in beschränkter Weise; beschränkt
durch ein weit gehendes Gebrauchsrecht des Atimetus, welches
nach vulgärer Anschauung ihn wie einen Eigenthümer in „seinem"
Hause schalten läßt. ") Atimetus bezeichnet es als usus et
fructus potestasque aedificii.
für, superficia, allein damit ist über den Ursprung jenes vectigal und über
die Natur des Rechtsverhältnisses nichts entschieden. Huschke'S an sich sehr an-
sprechende und von Andern, z. B. NiegolewSki und Marquardt, angenommene
Ergänzung eines „solarinm" paßt nach den von Mommsen im 6. I. L. ge-
gebenen Nachweisungen nicht in die Lücke.
17) s. L 2 D h. t. XLIII, 18: Superficiarias aedes appellamus, quae
in conducto solo positae sint. (Gaius.)
Unsere Quellen sprechen nur von insulae superficiariae u. dgl., also
von Gegenständen des snperfieiarischen Rechts. Der Vertrag, welchem jenes
Recht seine Entstehung verdankt, erscheint ihnen nur als locatio conductio
und daran hat auch das spätere Recht im Wesentlichen nicht viel geändert.
19) Aehnliche Ungenanigkeiten hat Rudorfs in der Inschrift des Adrastus
nachgewiesen; s. Zeitsch. für gesch. R.-W. XI S. 222. Der richtige Gesichts.
Punkt tritt in unserer Inschrift darin hervor, daß nach dem Tode des atimetus
nicht das (der Gemeinde ohnedies gehörende) Eigenthum, sondern nur der dem
Atimetus vorbehaltene usus et fructus potestasque der Gemeinde zufallen soll.

Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer