Full text: Zeitschrift für Rechtsgeschichte (Bd. 4 (1864))

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Degrukotd,

UcheS praktische- Bedenken. DaS Institut superficiarifcher Ver-
leihung hat ohne Zweifel in Rom und vermuthlich auch in den
größeren Municipalstädten eine viel häufigere Anwendung gefunden,
als sich aus den wenigen erhaltenen Beispielen entnehmen läßt und
sich wahrscheinlich in vielen Städten wiederkehrend auf einzelne zu
Baustellen besonders geeignete Plätze gelenkt. Dadurch wird die
Bildung wenigstens traditioneller Regeln über die Höhe des sola-
riam, (natürlich je nach der Größe der Baustelle u. s. w.) ermög-
licht und daß sie sich wirklich bildeten, dürfte nicht Wunder nehmen.
Sie wären uur ein neues Beispiel für eine allgemeine Erscheinung
in der Geschichte römischer Administrativgrundsätze. Das nach un-
fern Begriffen Flüssige wird in feste Formen gebracht. Daher
namentlich die Fixirung ursprünglich wechselnder Gefälle.15)
Im vorliegenden Fall fehlen alle Spuren, daß M. Laelius
Atimetus seinen Ban eigenmächtig begonnen habe. Wahrscheinlich
ist auch die Höhe des solarium bei Beginn des Baues contrakt-
mäßig zwischen ihm und der Gemeinde bestimmt worden, so daß
die remissio solarii ganz wörtlich und nicht von der Erlösung aus
der obengcdachten Alternative zu verstehen ist. DaS vor jener re-
missio bestehende Verhältniß zwischen M. Laelius Atimetus und
der Gemeinde wird in der nengefundenen Inschrift so wenig, als
in der Inschrift deS Adrastus juristisch desinirt. Indessen kann hier
so wenig als dort die Existenz eines superficiarischen Verhältnisses
bezweifelt werden. Man darf behaupten, daß in beiden Inschriften
gerade der Normalfall der Superficies vorliegt. Wie mannigfacher
Modifikationen die ihr zu Grunde liegende lex locationis auch
fähig ist, auSgcgangen ist sie von der publicistischen Lokation und
hier wie auch sonst ist — wenn nicht der einzige, so allermindestens
der Normalfall die locatio der Baustelle, auf welcher der
Superficiar sich selbst erst ein Gebäude errichtet.
Beides ist in seiner historischen Begründung wie in seinen
dogmatischen Consequenzen an anderer Stelle zu entwickeln. Daß
in beiden Inschriften und damit in allen erhaltenen Originalurkunden
über die Superficies ihr Name fehlt, l6) ist nicht zufällig. Das
") Aus dem Privatverkehr bietet sich als analoger Fall die Entschädigung
des Gruudeigenthümer« für de» von ihm zu duldenden Betrieb eines Stein -
bruchs auf seinem Grundstück. Er empfängt das solitum solarium. L13§1
D communia praediorum VIII, 4.
") Die lex agraria n. 643 erwähnt freilich iu v. 92. 93 ein vectigal

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