Full text: Zeitschrift für Rechtsgeschichte (Bd. 4 (1864))

Dekret der Drkurionen von Puteoti.

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die Behörde das Gebäude mit einem solarium.12) Dem Erbauer
bleibt also nichts übrig, als sich dieser Auflage zu unterwerfen,
d. h. den superficiarischen Vertrag mit der Gemeinde einzugehen,
oder unter Ablehnung des solarium seine Bauauslagen zu ver-
lieren. 13)
Offenbar ist hier, wenn nicht juristisch so doch thatsächlich daS
solarium eine einseitige Auflage, die loeativ von der einen Seite
thatsächlich der andern vorgeschrieben. u) Auch rücksichtlich der
Rormirung des solarium besteht ein, so viel ich sehe, nicht genü-
gend beachteter Unterschied. Seine Höhe kann in jedem einzelnen
Falle durch freie vertragsmäßige Bestimmung bemessen werden.
Das ist gewiß der gewöhnlichste, im Privatverkehr vielleicht der
einzige Fall. Für die Superficies auf Gemeindegrund scheint da-
gegen hier und da die Höhe des solarium durch bestimmte allge-
meine Regeln im Voraus abgegrenzt zu sein. Wenn es in der
von Rudorfs erläuterten Inschrift Or. 39 (vgl. Hennen III, p. 1)
vom AdrastuS heißt, er solle ein solarium entrichten ^seeuuckum
exemplum ceterorum^ oder »sicut ceteris so scheint dies nach
dem ganzen Zusammenhang mehr als der bloße abstrakte Vorbehalt
eines solarium überhaupt. Es muß auch für die Höhe des sola-
rium irgend ein Maßstab vorhanden gewesen sein, nach welchem die
Belastung des Adrastus übereinstimmend mit der jener „klebrigen^
bemessen werden konnte. Auch hat dies in Wahrheit kein erheb-

12) s. L. 2 § 17 D ne quid in loco publico XLIII, 8: rri quis nemine
prohibente in publico aedificaverit, non esse eum cogendum tollere ne
ruinis urbs deformetur ... si tamen obstet id aedificium publico usui
utique is qui operibus publicis procurat debebit id deponere aut sinon
obstet solarium ei imponere.
13) Vielleicht gilt dieser Satz in weiterem Umfang als unsere Quellen ihn
bezeugen. Er ist offenbar eine Ausgleichung widerstreitender rechtlicher und
polizeilicher Interessen. Das ins tollendi (L 37 D de r. v. VI, 1) verträgt
sich nicht mit dem polizeilichen Verbot, Häuser in einer Stadt niederznreißen,
sofern sie nicht wieder aufgebant werden sollen. L. 46 pr. D. de damno in-
fecto XXXIX, 2. Lex malacitana c. LXII. Daher die Schonung des Ge-
bäudes und die Ueberweisung an dxn Erbauer gegen ein solarium. Aehnliche
Complicationen können auch durch den Bau auf Privatgrundstücken entstehen.
") Die Auflage braucht nicht einmal von einem rein städtischen Magistrat,
d. h. von einem regelmäßigen Vertreter der Gemeinde auszugehen. Denn der
curator operum ist häufig ein kaiserlicher Beamter; in solchen Fällen tritt die
anomale Entstehung des SuperficiarverhältniffeS besonders deutlich hervor.

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