Full text: Zeitschrift für Rechtsgeschichte (Bd. 9 (1870))

16. Die Grabinschrift der Murdia

Rudorss, die Grabinschrift der Murdia.

2S?

Die Grabinschrift der Murdia.
Von
Rudorss.
Die längst bekannten nicht unerheblichen Ueberreste einer
epigraphisch erhaltenen Sepulcralrede auf die Murdia haben
zwar nicht das allgemein historische Interesse, welches die nahe
verwandte Gedächtnißrede auf die Turia, die Gattin des Q. Lu-
cretius Vespillo, (Band 5, S. 161 fs. dieser Zeitschrift) in An-
spruch nimmt, da die Murdische Familie anscheinend nicht einmal
dem Ritterstande angehörte, allein die juristische Belehrung, welche
sie gewähren, ist nicht minder erheblich. Es dürfte daher ein
Wiederabdruck der Inschrift unter Hinzufügung der nöthigsten
rechtswissenschaftlichen Erörterungen in dieser Zeitschrift nicht am
Unrechten Orte stehn.
Ueber die Ueberlieferung und die paläographischen Eigen-
thümlichkeiten ist in einer am 23. April 1868 gelesenen akade-
mischen Abhandlung (Philosoph, hist. Classe p. 218 f. 228 f.)
genauere Mittheilung gemacht. Hier genügt zu bemerken, daß die
Inschrift auf einem großen Stein, in zwei Columnen eingegra-
ben war. Beide waren durch eine gemeinschaftliche, mittels grö-
ßerer Charactere ausgezeichnete Ueberschrift mit einander ver-
bunden. In unbekannter Zeit ist der Stein in zwei Hälften
geschieden, welche genau den gedachten beiden Columnen ent-
sprechen. Die Hälfte links vom Beschauer mit der aus sie tref-
fenden Hälfte der gemeinsamen Ueberschrift ist nicht wieder zum
Vorschein gekommen. Die Hälfte rechts vom Leser mit der Ueber-
schriftshälfte Murdiae L(ucii) f(iliae) matris ist zwar gegen-
wärtig ebenfalls verschwunden und ungeachtet der Bemühungen
Henzen's nicht aufzufinden gewesen. Sie wurde jedoch zuerst
theilweise von Winckelmann, sodann (1784) von Carlo Fea auf
der Terrasse des Palazzo Rondanini in Rom vollständig copiert.
Beider Abschriften sind in Fea's italienischer Uebersetzung der
Winckelmann'schen Geschichte der zeichnenden Künste (Rom 1784.
40 pag. 200. 201) veröffentlicht. Die spätern Abdrücke von
Orelli 1860 und Egger Latini sermonis reliquiae (1843) no. 9
pag. 322. 323 sind völlig unbrauchbar.
Die Differenzen zwischen Winckelmann und Fea sind folgende.

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