Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 11 (1896))

Einleitung.

3

Wird, wie wir glauben, gerade in den ersten Jahrzehnten des Gesetzbuchs
zum Leben des Rechts beitragen, daß Juristen an die Praxis desselben
herantreten, die in den verschiedensten Rechtsgebieten vorgebildet sind.
Aber auch aus der Judikatur anderer Länder sollen künftig, wie bisher,
von Zeit zu Zeit Skizzen gebracht werden.
Die Zeit, in der man glaubte, die große That geschehe nur mit
der Gesetzgebung, ist dahin; wir wissen jetzt, daß die größten Thaten
der Jurisprudenz nach dem Erscheinen des Gesetzbuchs zu vollbringen
sind. Diese Thaten zu vollbringen, soll unser Archiv nach Kräften
mithelfen. Unter Ablegung der Scholastik, der Buchstaben- und Vor-
arbeitenjurisprudenz, mit den rüstigen Kräften der Dogmatik und sicherem
historischen Sinn operirend sollen wir dem Ideal nachstreben, dem Ideal
der Bildung eines Rechts, das dem römischen Recht dadurch gleichkommt,
daß es ebenso volksthümlich, wie weltmännisch ist und ebenso sehr den
Stempel unseres nationalen Wesens trägt, wie es die großen Ideen
des Weltverkehrs kongenial in sich aufnimmt und zum Theil seiner selbst
macht; dem Ideal eines Rechts, das das römische Recht dadurch weit
überragt, daß es nicht nur der Macht des Egoismus, sondern auch der
Macht der Liebe dient und den freien Trieb des Individuums ebenso
entfesselt, wie es anderseits die genossenschaftlichen Bestrebungen der
Menschheit fördert; dem Ideal eines Rechts, das die große Aufgabe
erfüllt, die allen großen historischen Errungenschaften zukommt, nämlich
die Aufgabe der künstlerischen Versöhnung der durch die
Mächte der Zeit geschaffenen Widersprüche und Gegensätze.

Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer