Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 11 (1896))

Grenzscheidungsklage.

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Bevor wir jedoch auf eine Beurtheilung des jetzigen Rechtszu-
standes und eine Kritik des geplanten Reichsrechtes eingehen, müssen
wir das Wesen der a°. fin. reg., wie sie uns aus dem römischen Recht
überkommen ist, ihre Voraussetzungen und ihr Verhältniß zur rei vin-
dicatio erkannt haben.

Erster Abschnitt.
Das römische Recht.
8 2.
Natur und Gegenstand der actio finium regundorum.
In D. 10. 1.1. sagt Paulus von der Grenzscheidungsklage: finium
regundorum actio in personam est, licet pro vindicatione rei est.
Der Ausspruch hat zu den verschiedensten Schlußfolgerungen ge-
führt. Fest steht jedenfalls nach ihm, daß die a°. fin. reg. keine
dingliche, sondern eine persönliche Klage ist, was auch nach
I. 4. 6. 20. Quaedam actiones mixtam causam
optinere videntur, tam in rem quam in personam,
qualis est familiae erciscundae a°.item finium regun-
dorum, quae inter eos agitur, qui confines agros habent,
in quibus tribus judiciis permittitur judici rem alicui ex
litigatoribus ex bono et aequo adjudicari etc.
nicht zweifelhaft sein kann, indem hier das übrigens nur scheinbar
dingliche Element der Erbtheilungs-, Gemeinschafts- und Grenzscheidungs-
klage lediglich in der Adjudikationsbefugniß des Richters gefunden wird.
Worin liegt nun der Grund und worin der Gegenstand der
Obligation, deren Ausdruck die a°. fin. reg. ist? Die beiden Fragen,
die wiederum die verschiedenste Beantwortung gefunden haben, hängen
so eng mit einander zusammen, daß sich keine derselben ohne gleich-
zeitige Erledigung der anderen entscheiden läßt.
Gegen die herrschende Ansicht trat zuerst Wiederhold4) auf und
führte aus, daß die formelle Abgrenzung benachbarter Grundstücke,
des fines regere, Gegenstand der Klage sei. Er hat indeß nur
Gegner gefunden. Alle nachfolgenden Schriftsteller, die sich mit jener
l) Bemerkungen über die a°- fin. reg. in der Zeitschrift für Ziv.R. und
Pr. XIII S. 40 ff.

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