Volltext: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 6 (1892))

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Otto Fisch er.

barer römischer Begründung, Glück und Mühlenbruch, sowie
neuerdings Brinz^) ausgesprochen:
Eine im Wesentlichen zutreffende Begründung geben dagegen
Stobbe und Dernburg.
Ersterer^) schreibt: „Hat der Ueberlebende auf Grund des
gemeinschaftlichen Testaments den Andern beerbt, und finden sich in
dem Testamente Bestimmungen darüber, was das Schicksal des
Vermögens nach dem Tode des Ueberlebenden werden soll, so geht
die jetzt als überwiegend anzusehende Ansicht dahin, daß das korre-
spektive Testament sich in seinen Wirkungen in einen Erbvertrag
verwandelt; der Ueberlebende darf nicht von denjenigen eigenen Ver-
fügungen abgehen, in Rücksicht auf welche der Erstverftorbene ihm
seinen Nachlaß zugewendet hat; versucht er einen Widerruf, so ist
derselbe unwirksam. Er darf insbesondere nicht diejenigen Ver-
fügungen widerrufen, welche er selbst in Uebereinftimmung mit dem
Willen des Andern getroffen hat und wonach dritte Personen nach
dem Tode des Behebenden Vermögenszuwendungen erhalten sollen.
Nur insoweit kann er von seinem ursprünglichen letzten Willen ab-
gehen, als es sich um Verfügungen handelt, welche er lediglich im
Interesse seiner Familie oder sonst in eigenem Interesse getroffen
hat, und angenommen werden darf, daß der Verstorbene an ihrer
Aufrechterhaltung kein Interesse gehabt haben würde.
Allerdings ist die Annahme, daß der Ueberlebende seine eigene
Verfügung widerrufen darf, mit dem Wesen des römischen Testaments
verträglicher als die zuerst besprochene. Indessen hat das deutsche
Recht die Widerruflichkeit nicht als unbedingt wesentliche Eigen-
schaft des Testaments angesehen. . . . Auch darf man es nicht als
widersinnig erklären, daß ein an sich nur widerruflich eingegangenes
Geschäft dem Willen des Disponenten gemäß sich später in ein un-
widerrufliches verwandelt, und daß ein Testament beim Eintritt gewisser
Voraussetzungen die Wirkungen eines Erbvertrages hat. Daß in
dieser Weise das Wesen der korrespektiven Testamente in der
gemeinrechtlichen Praxis sich entwickelt hat, darf nicht darum ge-
leugnet werden, weil diese Rechtsbildung nicht in dem Rahmen der
römischen Kategorien erklärt und gerechtfertigt werden kann."

1U) s. o. S. 69 fg.
"b) V. §. 307.

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