Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 6 (1892))

Civilistische Rundschau.

369

Detentionsrechte, im Besonderen bei II., III. und IV. die Rechte des Ersitzers
(bezw. Besitzers, bezw. Detentors) bezüglich Eigenthum, Superficies, Emphyteuse,
Personalservituten und Realservituten, wozu noch bei IV. die Rechte des
Pfandrechtsdetentors und des Retentionsrechtsdetentors kommen. Der Vier-
spältigkeit der Rechte entsprechen die vier Klagarten: Vindikation mit Negatoria,
Publiciana, Vesitzklagen, Spolienklage. Die Neuerungen des Entwurfes ent-
ziehen der Publiciana den Boden, die Verschmelzung der Spolien- und Vesitz-
klagen ist im Entwurf selbst vorgesehen. Man wird mit je zwei Rechten
und je zwei Klagarten neben einander ausreichen, ein Mittel für die definitive
Entscheidung, ein anderes zur vorläufigen Ordnung der thatsächlichen Verhält-
nisse; das letztere ist von Nutzen nur bei beschleunigtem Verfahren, also beim
Ausschluß von schwerfälligen Beweismitteln und Einreden; geschaffen werden
soll dadurch ein Besitzstand, sei es eine retinend», sei es adipiscenda
possessio. Bei gebuchten Rechten empfiehlt es sich die Besitzklage an
das Buch zu knüpfen; es giebt kein glatter durchschneidendes Beweismittel.
Dies in den äußersten Umrissen der Inhalt der Bekkerschen Abhandlung, die
in ihrem knappen Rahmen einen denselben fast sprengenden Gedankeninhalt
aufweist. Eine im Verhältniß zu ihrem Inhalt etwas breit gerathene, übrigens
sorgsame und überaus gründliche Arbeit auf dem Gebiet des Besitzes legt uns
Klein in seinem Sachbesitz und Ersitzung (Berlin, 1891. Carl Heymanns
Verlag. 489 S.) vor, auf die, da sie im Wesentlichen rechtshistorisch ist, hier
eben nur hingewiesen werden kann. Doch sei die Ausführung über die auch
im Entwurf des bürgerlichen Gesetzbuchs acceptirte Unterscheidung zwischen
Okkupations- und Traditionsbesttzerwerb (S. 475/176) hervorgehoben. — Zwei
interessante Arbeiten pfandrechtlichen Inhalts, die eine überwiegend
rechtshistorisch, die andere dogmatisch, bietet oie Berichtsperiode. Erstere
führt den Titel: Die Fiducia im römischen Privatrecht. Eine rechts-
geschichtliche Untersuchung von Paul Oertmann (Berlin, 1890. I. Guttentag
sD. Collinj. 262 S.) und giebt einen neuen interessanten Beitrag, wie eine
Menge dessen, was ehedem dira necessitas war, in der neueren Entwickelung
sich als Sache der freien Wahl wieder einstellt. Jene Discrepanz zwischen
Absicht und Zweck, wie sie der fiducia eigen war, findet sich in zahlreichen
Fällen auch heutigen Tages, namentlich im Handelsverkehr. Es überträgt
jemand einem Anderen Eigenthum, ein Foyderungsrecht, damit derselbe es zu
Nutzen des Uebertragenden, nach außen aber vollberechtigt ausüben solle;
darunter kann sich ein Pfand-, ein Depositalzweck verstecken. Aehnlich ist es
bei der wechselrechtlichen Jnkassofiducia. Es kann jemandem als Trödler,
Kommissionär Eigenthum an einer Sache übertragen werden, damit er sie im
Namen des Uebertragenden verkaufe. Es kann jemandem eine Hypothek
übertragen werden, um ihm eine Sicherheit für eine Forderung an den
Hypothekar zu verschaffen. Solche Geschäfte sind heutzutage für den Verkehr
unentbehrlich (vergl. Köhler, Jahrbücher für Dogmatik Bd. XVI. S. 151 ff.).
Allein sie bilden eine leichte und oft gesuchte Gelegenheit, dem Zugriff der
Gläubiger Vermögensobjekte zu entziehen. Die Fälle dieser letzteren Art sind

Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer