Volltext: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 6 (1892))

Briefmarke im Recht.

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gemessen. Aber auch dafür spricht kein durchgreifendes Bedürfniß;
nicht bei allen Jnhaberpapieren ohne Ausnahme ist die Amortisation
angemessen, und in unserem Falle um so weniger, als die Einlösung
nur das bieten soll, was man hätte, wenn die Marke nicht außer
Kurs gesetzt wäre und ihren normalen Kurs behalten würde. Bei der
normalen Marke erlischt aber der Werth durch körperlichen Untergang.
Einer Vernichtung der Marke steht die Kassirung mit dem
Kassirungsstempel gleich; daher ist der Markenwerth mit der Stempel-
kassirung unbedingt erloschen, auch wenn die Kassirung eine nur
irrthümliche wäre.
Hier kann unter Umständen allerdings eine eouäiotio gegeben
werden, wenn nämlich die Kassirung durch den Postbeamten aus
Jrrthum erfolgt ist. Die Erstattung kann in dem Umtausch mit einer
gültigen Marke bestehen. Aber hier beruht der Anspruch nicht darauf,
daß die Marke überhaupt irrthümlich vernichtet ist, sondern daß sie
durch Einrichtung der Post und durch Thätigkeit des Postbeamten
irrthümlich vernichtet wurde; dafür hat die Post aufzukommen, ebenso
wie wenn der Postbeamte sonst die Marke vernichten würde.
Uebrigens kommt diese Frage weniger bei Briefmarken in Betracht,
als bei Stempelmarken, die oft auf ziemlich hohe Beträge lauten.
Bei theilweiser faktischer Vernichtung der Marken kommen mehrere
Rücksichten in Betracht. Nicht das ist wesentlich, daß an sich noch
recht viel vom Papier vorhanden ist; aber wesentlich ist, daß ein-
mal das übrig Gebliebene, als Theil einer bestimmten Marke, sicher
erkennbar ist: auf der Erkennbarkeit beruht ja der Vortheil des
ganzen Marken-, wie des ganzen Zahlungsmittelverkehrs; sodann
daß nicht die zwei oder mehreren Stücke als ebensoviele Marken
kursiren und so die Marke eine verdoppelte Werthfunktion annimmt;
wesentlich ist endlich die Sicherheit, daß die Marke nicht bereits
kassirt ist: gerade das Letztere kann zweifelhaft werden, da der
Kassirungsstempel nicht den ganzen Umfang der Marke zu um-
fassen pflegt.
Gegen die Multiplikationsgefahr giebt es die Aushülfe, daß man
nur ein Ueberbleibsel, das mehr als die Hälfte beträgt, gelten läßt;
aber dieses System, das beim Papiergeld praktisch ift,40) ist bei den

*0) Vgl. auch, bezügl. der Banknoten, §. 4 des Bankgesetzes.
Archiv für bürgerliches Recht. VI. Band.

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