Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 6 (1892))

Jrrthum beim Kaufe.

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bedeutet, der durch die Unentschuldbarkeit nicht aufgehoben wird.
Eine Frage ist es, ob nicht der ganz grobe Jrrthum außer Betracht
falle. Es spricht für die Bejahung der Frage I. 15 §. 1 D. de
contr. emt. 18, 1:
Ignorantia emtori prodest, quae non in supinum homi-
nem cadit.
Der grobe Jrrthum ist nach meiner Auffassung ein solcher,
wobei der Irrende der Möglichkeit des Jrrthums sich bewußt war.
Sobald der Kontrahent weiß, sich klar darüber ist, daß er möglicher-
weise irre, so sind auch die richtigen Vorstellungen, welche zum
Konsense nothwendig sind, vorhanden, ob aber auch der nothwendige
Wille, ist quaestio facti.20)
Die für den Kauf entwickelte Jrrthumslehre dürfte anwendbar
sein für den Tausch, die locatio conductio und die societas, nicht
aber ohne Weiteres für das Mandat, das Darlehen, Depositum,
Kommodat, die Schenkung, Tradition, das Testament u. s. w., be-
züglich welcher Geschäfte besondere Grundsätze herrschen.

20 Eine andere Frage ist es, ob es sich nicht de lege ferenda empfiehlt,
den selbstverschuldeten Jrrthum als wirkungslos zu erklären. Die Gründe,
welche Köhler a. a. O. S. 226 dafür und gegen die Theorie des Schadens-
ersatzes wegen eulpa in contradendo ansührt, sind sehr überzeugender Natur.
Köhler hält demnach die Bestimmung des österreichischen bürgerlichen Gesetz-
buchs §. 876 und des Badischen Landrechts Art. 1110s, wonach ein selbstver-
schuldeter Jrrthum den Vertrag nicht entkräftet, für viel besser und viel mehr
dem Zuge des römischen und heutigen Rechts entsprechend, als die Bestimmung
des schweizerischen Obligationenrechtes Art. 23, wonach in einem solchen Falle
lediglich Schadensersatzpflicht eintreten soll.

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