Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 6 (1892))

Jrrthum Beim Kaufe.

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Händen ist, dieses Bild aber Eigenschaften (gewöhnlich lusterregende)
enthält, welche in Wirklichkeit der betreffenden Sache nicht zukommen-,
z. B. ich glaube, die Uhr, welche ich kaufen will, sei eine antike,
während sie in Wirklichkeit Imitation ist. Wir haben hier den
Jrrthum in den Eigenschaften einer Sache.")
Der Verkäufer stellt sich die Waare, welche er gegen den Preis
dahingeben will, ebenfalls vor und es können in Bezug auf das
Bild der Waare die nämlichen Möglichkeiten eintreten, wie beim
Käufer. Der Verkäufer kann eine individuell bestimmte Sache
dahingeben wollen und glaubt, die Sache, um welche gehandelt
wird, sei mit jener identisch; oder er will Gattungssachen verkaufen
und glaubt, die individuell bestimmte Sache, um welche sich der
Handel dreht, gehöre zu jener Gattung von Sachen, wovon er ver-
kaufen will. Es kann auch nur ein Bild der zu verkaufenden in-
dividuell bestimmten Sache vorhanden sein, welches Eigenschaften
(gewöhnlich unlusterregende) enthält, die in Wirklichkeit nicht vor-
handen sind (z. B. ich will meine Uhr verkaufen, die ich als Imi-
tation ansehe, während dieselbe antik ist).
Es sind nun folgende Möglichkeiten denkbar:
1. In der Seele des Käufers ist das Bild einer individuell
bestimmten Sache vorhanden, die er begehrt; beim Verkäufer ist eben-
falls das Bild einer individuell bestimmten Sache vorhanden, die
er als Waare dahinzugeben gedenkt. Die Bilder stimmen aber
nicht überein; jedes ist solches einer andern individuell bestimmten
Sache. Von diesem Falle handelt m. E. 1. 9 pr. I). äe contrah.
ewt. 18, 1 (Ulpian):
u) Ich stimme Zitelmann, Jrrthum und Rechtsgeschäft S. 433 ff. bei,
wenn er beim Handel um eine vom Käufer begehrte, individuell bestimmte
Sache den Jrrthum in den Eigenschaften nicht als Duplizität der Absichten
auffaßt, von denen eine abstrakt auf eine Sache mit den vorgestellten Eigen-
schaften, die andere konkret auf die individuell bestimmte Sache gerichtet sei
(Theorie des abstrakten Willens). Dagegen kann ich ihm darin nicht bei-
pflichten, daß auch dann nicht zwei Absichten, bezw. zwei Bilder der begehrten
Sache vorhanden seien, wenn der Wille auf eine individuell bestimmte Sache
gerichtet ist und beim Kaufabschlüsse auf eine andere, mit jener nicht identische
Sache Bezug genommen wird, oder wenn eine Gattungssache begehrt wird
und die individuell bestimmte Sache, über welche der Handel abgeschlossen
wird, nicht zu der begehrten Gattungssache gehört.

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