Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 33 (1909))

Der Blankowechsel.

175

§ 8.
Die Übertragung des Ausfüllungsrechts.
Die Übertragung des Ausfüllungsrechts erfolgt durch die
Übertragung des Eigentums am Papier. Die Eigentumsüber-
tragung kann, wie bei jedem Wertpapier, zivilrechtlich oder wert-
papiermäßig geschehen. Die wertpapiermäßige Übertragung ist
verschieden, je nachdem der Blankowechsel in der Form des In-
haber- oder Orderpapiers erscheint.
Die Übertragung des Juhaberblankowechsels erfolgt durch
einfache Übergabe"6). Mit derselben wird der gutgläubige Er-
werber Eigentümer des Papiers und damit Subjekt des Aus-
füllungsrechts. Gerade in dieser leichten Übertragbarkeit liegt
einer der großen Vorzüge des Papiers. Es gewährt dem Inhaber
wegen seiner leichten Ergänzbarkeit alle wirtschaftlichen Vorteile
eines Wechsels, ohne ihn bei der gewöhnlichen Verwertung, nämlich
der Übertragung, einer lästigen Haftung auszusetzen. Der In-
haber eines Blanketts braucht nicht Wechselschuldner zu werden "H.
Die Übertragung des Orderblankowechsels geschieht durch
Indossament"^). Hier wird der aus dem Papier legitimierte
gutgläubige Erwerber Eigentümer und Ausfüllungsberechtigter.
Das Indossament hat aber nicht die Wirkung eines Wechsel-
indossaments""), sondern die eines jeden vollindossablen Papiers,
"*) Die Möglichkeit der Übertragung eines Blankowechsels durch ein-
fache Übergabe an den gutgläubigen Erwerber wird heute allgemein nicht mehr
bestritten. Abweichend nur Bernstein S. 60. Trotzdem hat man sich ge-
scheut, hieraus den Schluß auf die Jnhaberpapierqualität des Blankowechsels
zu ziehen. Das ROHG. Bd. 14 S. 56 spricht dem Papier „in gewissem Sinne
die Wirkungen eines Jnhaberpapiers" zu.
147) Also auch nicht wechselfähig zu sein. Diese theoretische Feststellung
ist indes ohne praktische Bedeutung, weil die Wechselfähigkeit mit der Geschäfts-
fähigkeit zusammenfällt, ein beschränkt Geschäftsfähiger aber nach § 107 BGB.
zur Ausfüllung zweifellos nicht berechtigt ist.
148) Grünhut Bd. 1 S. 445 Anm. 6; O. Lehmann S. 411;
Staub Art. 7 § 13; W ä ch t e r S. 304 Anm. 20; Dernburg, BürgR.
Bd. II- S. 324 Anm. 16; ROHG. Bd. 13 S. 383; RG. Bd. 28 S. 63, 64.
Eine Erklärung der Jndossierbarkeit des Blankowechsels ist bisher nicht ver-
sucht worden. Sie wird auch ohne Annahme der Wertpapierqualität des
Papiers schwerlich gelingen. Vgl. hierzu Anm. 86 und Anm. 92.
"*) So anscheinend Staub Art. 7 8 12.

Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer