Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 33 (1909))

Verstoß gegen die guten Sitten.

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Organisation von Arbeitgebern oder Arbeitnehmern'^); illoyales
Vorgehen solcher Kampforganisationen zwecks Niederzwingung
des anderer: Teiles. Ferner Beispiele aus dem.kaufmännischen
oder gewerblichen Konkurrenzkampf: Abspenstigmachung von
Kunden oder von Angestellten"'); Auswüchse im Reklame-
Wesen'^); Verbreitung von Unwahrheiten über ein Kon-
kurrenzgeschäft; hinterlistige Schädigung desselben oder eines
Gläubigers'^); Provisionsversprechen für den Fall, daß die
durch einen anderen beauftragten Mäkler eingeleiteten Verkaufs-
unterhandlungen Hintertrieben werden"").
Beispiele des Mißbrauchs eines bestehenden Ver-
trauensverhältnisses: Verrat von Betriebs- oder Geschäfts-
Wiä) OLG. Hamburg im ROLG. Bd. 12 S. 114 (Weigerung organi-
sierter Arbeiter mit andern zusammenzuarbeiten unter besonderen Umständen
moralwidrig).
"*) Aus neuester Zeit OLG. Hamburg in ROLG. Bd. 12 S. 112
und RG. in IW. 1906 S. 198 (unter besonderen Voraussetzungen moral-
widrig, nämlich wenn die Abspenstigmachung der Zweck ist oder die Mittel
illoyal sind, z. B. die Neuangestellten lediglich die Kunden ihrer bisherigen Firma
wegfangen sollen; RG. im Recht 1907 S. 636 Nr. 1309 (Unterbieten in einem
Spezialfall nicht als moralwidrig erklärt). RG. in IW. 1906 S. 20 (Schlecht-
machen der Konkurrenz zwecks Kundenfang).; ebenso RG. im Recht 1906
S. 300. KG. in DJZ. 1906 S. 206 (Weglocken von Personen von dem
Geschäftslokal des Konkurrenten); RG. im Recht 1907 Nr. 681; in IW. 1907
S. 607 (Nachahmen der Emballage einer Konkurrenzware); RG. in IW. 1902
Beil. S. 260 (Abspenstigmachung von Angestellten).
i*i). RG. im Recht 1906 S. 472 (Lockpreise im Schaufenster); HansOLG.
im Recht 1906 S. 601 Nr. 1936 (verbotswidrige Benützung eines Namens
zu Reklamezwecken); RG. in SeuffArch. Bd. 60 S. 174 (Unterbietung des fest-
gesetzten Ladenpreises zwecks Reklame ist moralwidrig); OLG. Cöln in
Neumanns Jahrb. 1907 S. 362 Iit. 1 (Rabattmarkenschwindel); anders
RG. Bd. 63 S. 394, dagegen wieder K o h l e r in ArchBürgR. Bd. 29 S. 140.
i**) Außer den in Anm. 163 und 164 aufgeführten Entscheidungen vgl.
noch z. B. OLG. Dresden im Recht 1906 S. 1260 Nr. 3027 (Bearbeitung der
Konkurrenz durch eine sich in deren Vertrauen einschleichende Mittelsperson ist
moralwidrig). RG. in Gruchot Bd. 49 S. 361 und 362: „Mit D e r n -
bürg (Bd. 1 S. 603), Staudinger (Bd. 1 S. 303 Z. 10) und
R e h b e i n ist das lediglich dem Zwecke der Schädigung der Gläubiger
dienende fiduziarische Geschäft als gegen die guten Sitten verstoßend anzu-
sprechen".
156) OLG. Königsberg in Soergel 1907 S. 62.

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