Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 19 (1901))

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Max Apt.

Ein derartiges Verfahren wird vom ehrenwerthen Bankierstand am
allerwenigsten gebilligt.
Soweit Börsenehrengerichte zuständig sind, tritt jetzt bereit*
ehrengerichtliche Ahndung ein. Allein die hier in Betracht kommenden
Firmen entziehen sich der Zuständigkeit des Ehrengerichts auf die ein.
fache Weise, daß sie das Recht zum Börsenbefuch aufgeben. Hier
liegt eine Lücke in der Gesetzgebung. Vor Allem wäre zu bestimrnen,
daß für solche Firmen auch Aufträge an der Börse von keinem Börsen
besucher auszuführen wären und daß der Zuwiderhandelnde selbst den
Ausschluß von der Börse zu gewärtigen hat.
Außerdem müßten im ganzen Reiche Bankier ehr engerichte
gebildet werden, die das Recht hätten, alle Bankgeschäfte gewerbsmäßig
treibenden Finnen vor ihr Forum zu ziehen. Als Strafen würden
Verweis und Geldstrafen sestzusetzen sein. Diese Ehrengerichte würden
besonders Fälle offenbarer Anreizung, übertriebener Reklame, wie über
Haupt unsolider Geschäftsgebahrung zu ahnden haben.
Aber auch dem Privatpublikum gegenüber soll der Gesetzgeber
zum Ausdruck bringen, daß er übermäßigen Differenzhandel mißbilligt.
. In dieser Hinsicht sieht § 240 der Konkursordnung die Bestimmung
vor, daß Schuldner, welche ihre Zahlungen eingestellt haben, oder über
deren Vermögen das Konkursverfahren eröffnet worden ist, wegen
einfachen Bankerutts mit Gefängniß bestraft werden, wenn sie durch
Aufwand, Spiel oder Wette oder durch Differenzhandel mit Waaren
oder Börsenpapieren übernräßige Summen verbraucht haben oder schuldig
geworden sind.
Außerdem sollten die für zahlreiche Berufskreise bestehenden ehren
gerichtlichen Organisationen dem übermäßigen Differenzhandel in ihre»
eigenen Streifen durch ehrengerichtliche Ahndung energisch entgegentreten.
Mehr aber als alle diese Mittel wirken Selbstzucht des Publikum*
und Selbstzucht der Bankiers. Insbesondere die Großbanken mit
ihren zahlreichen Wechselstuben sollten durch gutes Beispiel erzieherisch
wirken.
Nicht immer darf der Egoismus für den Kaufmann das einzig
treibende Motiv bilden. Gerade in Zeiten aufsteigender Konjunktur,
wo der Spekulationstrieb des großen Publikums am üppigsten empor
wuchert, muß er mäßigend einwirken.
Die Selbstzucht des Publikums ivird gefördert durch Erhöhung

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