Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 19 (1901))

Selbsthülfe.

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Dagegen erfolgt keine gerichtliche Bestätigung beim Nothstand,
her Nothwehr, der Besitzesselbsthülfe, dem Pfandverkauf u. a.
7. Wenn nun aber auch die Bestätigung erfolgt ist, so ist damit
her Anspruch noch keineswegs erledigt. Es bedarf vielmehr zur definitiven
Vollstreckung außer dem Bestätigungsversahren (also den: Erlaß des
Arrestes oder der einstweiligen Verfügung) noch eines besonderen
Prozesses. Die Selbsthülfe ist nur ein Sicherungs-, kein Vollstreckungs-
mittel.
Im Gegensatz hierzu bedurfte es z. B. bei der römischen legis
actio per manus iniectionem nach der Bestätigung keines weiteren
Verfahrens mehr und ähnlich verhält es sich noch heute mit dem der
Pfändung nachfolgendem Verfahren. (§ 85 Feld- und Forstpolizeigesetz,
§ 438 1.14 A.L.R.)
Aus der obigen Zusammenstellung geht hervor, daß die Selbst-
hülfe im Rechtssystem nicht allein dasteht, sondern, daß sie nach allen
Seiten ihrer Begriffsbestimmungen Verwandte hat.
Es geht aus der obigen Zusammenstellung ferner hervor, daß
die Selbsthülfe in der Reihe dieser verwandten Rechtsinstitute nirgends
ein Extrem bildet, wie z. B. der Nothstand.
Schließlich geht daraus hervor, daß die Selbsthülfe am meisten
mit der landrechtlichen Pfändung verwandt ist. Mit dieser hat sie
gemeinsam, daß zum Schutze von Privatrechten in Nothfällen Eigen-
macht erlaubt ist, die jedoch der Bestätigung bedarf. Die Pfändung
unterscheidet sich von der Selbsthülfe im Wesentlichen nur durch die
Begrenzung auf Wegnahme von Sachen wegen Schadenersatzansprüchen
und dadurch, daß sie im Gegensatz zur Selbsthülfe defensiv ist: Die
Selbsthülfe des Bürgerlichen Gesetzbuches ist im Wesentlichen ein er-
weitertes Psändungsrecht.

Archiv für bürgerliches Recht. XIX. Band.

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