Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 30 (1907))

Warrantrecht und Landwirtschaft in Frankreich.

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diese Eigenschaft nicht überall durch einen beliebigen Lagerhalter (z. B.
nur durch einen staatlich ermächtigten) und auch nicht jedem Warrant
(z. B. nur dem Orderwarrant) beigelegt werden kann. Über die dingliche
Wirkung der Begebung eines Traditionspapiers ist sich die Rechts-
wissenschaft heute einig. Dagegen hat Gesetzgebung und Rechtsprechung
dem Warrant noch keineswegs überall und in jeder Hinsicht die Eigen-
schaften eines vollwertigen Traditionspapiers zuerkannt. Allgemein
anerkannt ist, daß der Depositar dem, nach dem jeweiligen Recht legi-
timierten Inhaber des Warrant, welcher die Ware verkörpert, diese
auszuhändigen hat.
Durch die gesamte Warrantliteratur zieht sich bis jetzt wie ein
roter Faden der Rechtsgedanke: Der Warrant verbrieft einen Herausgabe-
anspruch seines Inhabers gegen den vom Schuldner verschiedenen
Depositar. Diesem Rechtsgedanken entspricht der gleichfalls überall
betonte Gedanke: Ohne Lagerhausrecht kein Lagerscheinrecht. Es
gibt in der Gesamtzahl von Schriften über Warrants, bis Ende der
90 er Jahre des vorigen Jahrhunderts, kein einziges Werk, welches
nicht als selbstverständliche oder doch als grundlegende Voraussetzung
eines zweckmäßigen Lagerscheinwesens ein rechtlich geordnetes Lagerhaus-
wesen bezeichnete. Dies gilt von sämtlichen in- und ausländischen
Schriftstellern.
Die neueste Etappe des Warrantrechts, die französische Agrar-
warrantgesetzgebung, wirft aber dieses Axiom über den Haufen. Wie
der in ihr Genannte bei ihm Güter niedergelegt hat, zu deren Rück-
nahme er befugt ist.
Lieser, Das Lagergeschäft und der Lagerschein, Erlangen 1899, S. 48:
Lagerscheine im weiteren Sinne sind solche Papiere, in welchen der Verwahrer
gewisser Güter bekennt, diese empfangen zu haben und verspricht, dieselben
an den legitimierten Inhaber auszuliefern.
Von bedeutenden Werken in fremder Sprache seien hier nur erwähnt:
John Ella, Warrants for goods, their use and abuse, London 1856
(im Buchhandel nicht vorhanden, weil vergriffen, nach Hecht u. a., die in der
Mehrheit das Werk in der Hand gehabt zu haben scheinen, zitiert), S. 2: a warrant
is a negotiable instrument for the delivery of goods of which the warrant
is the genuine representative and the indicia of the property.
Maurice Block, Einleitung ZU Damaschino, dem grundlegenden
französischen Werk, Tratte des Magasins Generaux, Paris 1860, S. 30: Les
Warrants sont des titres qui constatent le depot du magasin public.
Damaschino selbst vermeidet wie viele andere jede Definition.

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