Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 30 (1907))

Bedeutung und Tragweite des § 2007 des BGB. 219
eine Strafe/7) Mit dieser Strafe aber den Alleinerben, in dessen
Hand der gesamte Nachlaß sich befindet, sodaß eine Beeinträchtigung
der Gläubiger ausgeschlossen ist, zu belegen, ist nicht angängig.
Es findet daher auf den Alleinerben nur der § 2059 Anwendung;
die Anwendung der §§ 2060 und 2061 ist ausgeschlossen.^) Die
Tragweite des § 2059 zeigt sich, wenn der Erbe bezüglich des einen
Erbteils beschränkt, bezüglich des anderen unbeschränkt haftet.
Wilke allerdings ist der Ansicht,") daß die Bestimmung des
§ 2007 im Falle des Vorhandenseins eines Alleinerben lediglich in
Ansehung von Vermächtnissen und Auflagen von Belang sei, mit denen
nur der eine oder der andere Erbteil beschwert sei. In Ansehung aller
sonstigen Nachlaßverbindlichkeiten sei es aber für die Haftung des
vorhandenen einzigen Erben ohne Bedeutung, ob er zu mehreren Erb-
teilen berufen sei oder nicht; denn wenn er auch nur inbetreff des
einen Erbteils die Jnventarfrist versäumt habe, hafte er nach § 1994
Absatz 1 für alle Nachlaßverbindlichkeiten unbeschränkt, also mit seinem
ganzen Vermögen einschließlich des anderen Erbteils.7")
Dies ist aber wegen der Bestimmung des § 2059 unzutreffend.
Miterben haften, sofern ihre Haftung unbeschränkt ist, mit dem Erbteil
zwar in voller Höhe der Nachlaßverbindlichkeiten, mit dem eigenen
Vermögen jedoch nur für einen ihrem Erbteil entsprechenden Teil der
Nachlaßschulden. Der Alleinerbe haftet demgemäß, sofern er bezüglich
einiger Erbteile die beschränkte Haftung verloren hat, in Ansehung
dieser mit dem eigenen Vermögen nur für eine diesen Erbteilen ent-
sprechende Quote der Nachlaßverbindlichkeiten; in Ansehung der übrigen
Erbteile, bezüglich deren er beschränkt haftet, unterliegt dagegen nur
der Nachlaß dem Zugriff der Gläubiger.
Beispiel: A ist in einem Testamente zu der einen Hälfte der
Erbschaft berufen. Er versäumt die ihm gestellte Jnventarfrist; darauf
fällt ihm infolge einer wirksam werdenden Ersatzberufung noch die
andere Hälfte an. A errichtet jetzt rechtzeitig ein Inventar. Die Nachlaß-
verbindlichkeiten betragen 1000. Alsdann kann der Gläubiger wegen
•7) Planck 2. Ausl. Vordem. 3 zu 8 2058, Strohal II S. 346, Ende-
mann S. 5O6f., Lehmann S. 752.
•8) Zu dem umgekehrten Ergebnis kommt Strohal II S. 361 Anm. 4».
Wilke Bem. 1 zu 8 2007.
70) Ebenso Matthias S. 566, Grundig S. 43.

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