Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 30 (1907))

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Otto Niese.

Durchführung maßgebend sein soll. Auch die Motive stehen auf dem
hier verteidigten Standpunkt; sie führen aus?^) „Die Vorschrift des
§ 2007 erstreckt sich auf alle Fälle, in welchen bei einem Erben, selbst
wenn er Alleinerbe ist, mehrere Erbteile als besondere hervortreten. In
allen diesen Fällen soll dem Erben in Ansehung eines jeden Erbteils
das Jnventarrecht besonders zustehen, wie wenn die Erbteile verschiedenen
Erben gehörten." Für die Anwendbarkeit der Vorschriften über die
Miterbenhaftung bei dem Alleinerben haben sich auch Planck-Strohal,
Cosack, Lehmann, Landsberg, Knitschky, Kreß ausgesprochen.^)
Bei der Durchführung dieser Ansicht ergibt sich insofern eine
Schwierigkeit, als das Gesetz sich nicht darüber ausläßt, ob der Allein-
erbe wie ein Miterbe vor der Nachlaßteilung oder wie ein Miterbe
nach der Nachlaßteilung haftet. In dem ersteren Sinne hat sich Kreß,^)
in dem letzteren Co sack 66) geäußert, beide ohne eine Begründung. Ich
bin der Meinung, daß man Kreß beitreten muß. Dies folgt meines
Erachtens aus der Natur der Sache; nur nach außen hin, den Nachlaß-
gläubigern gegenüber, wird der Alleinerbe durch eine Fiktion des Ge-
setzes so behandelt, als ob verschiedene Erben vorhanden wären; von
dem zwischen mehreren Miterben bestehenden Verhältnis nach innen
kann dagegen bei ihm keine Rede sein; im Jnnenverhältnis kann der
Alleinerbe nicht sein eigener Miterbe sein. Eine reale Teilung des
Nachlasses entsprechend den einzelnen Erbteilen muß daher, obschon sie
theoretisch möglich ist, bei dem Alleinerben ohne rechtliche Bedeutung
bleiben, ganz abgesehen davon, daß sie wohl nicht ln die Außen-
erscheinung treten könnte. Vor allem ist aber nicht einzusehen, weshalb
der Alleinerbe schlechter wie die Miterben gestellt werden soll. Diese
haften ursprünglich mit dem eigenen Vermögen nur anteilig; nur wenn
sie voreilig geteilt haben, ohne sich um die Ermittelung und Berichtigung
der Nachlaßverbindlichkeiten gekümmert zu haben, verwandelt sich die
anteilige Haftung in eine gesamtschuldnerische. Die strengere Haftung
ist daher nur eine Folge der Verletzung der ihnen obliegenden Pflicht,

") Motive S. 677.
“) Planck 3. Stuft. Bem. 2a zu § 2007; Cosack ©. 792; Lehmann
S. 663f.; Landsberg S. 1200; Knitschky a.a.O-; Kreß S. 197.
«») Kreß S. 197.
") Cosack S. 792.

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