Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 30 (1907))

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Langen.

eine Verpflichtung des Ausstellers entsteht, so ist damit erwiesen, daß
sie der Regelung des Gesetzes nicht zu Grunde liegt.26)
Noch kurz muß ich auf Jacobis Definition des Dritterwerbers
als desjenigen, welcher vom Nichtaussteller oder Nichteigentümer einer
Jnhaberschuldverschreibung derer: Eigentum infolge seiner Gutgläubigkeit
erwirbt, zurückkommen, da er für sie an der Gleichbedeutung der Be-
griffe Nichtaussteller und Nichteigentümer festhält.27)
Bei der früheren Bemängelung28) dieser Gleichstellung hatte ich
allerdings, worauf jedoch Jacobi nicht weiter zurückgreift, den nach
seiner Definition für den Begriff des Dritterwerbers wesentlichen Umstand
außer acht gelassen, daß dieser infolge seiner Gutgläubigkeit
Eigentum erwerben muß?") Unrichtig erscheint mir aber die Gleich-
stellung nach wie vor, und zwar aus dem Grunde, weil der gutgläubige
Erwerb vom Nichtaussteller begrifflich enger ist, als der gutgläubige
Erwerb vom Nichteigentümer. Denn vom „Nichteigeutümer" muß auch
derjenige erwerben, der vom „Nichtaussteller" erwirbt, da er sonst nicht
infolge seines guten Glaubens Eigentümer würde; der Veräußerer hat
hier aber eben noch die zweite Eigenschaft, daß er zugleich Nichtaussteller
ist, was dein: bloßen Erwerb vom Nichteigentümer keineswegs immer
zutrifst: Wenn jemand als Finder einer dem Aussteller vor Begebung
verloren gegangenen Schuldverschreibung oder als Okkupant einer von
ihm derelinquierten Schuldverschreibung deren Eigentümer geworden
ift,80) ihm jetzt der Aussteller das Papier widerrechtlich entzieht und
es als angeblicher Eigentümer einem gutgläubigen Dritten veräußert,
so erlangt der Nehmer zwar infolge seines guten Glaubens Eigentuu:
durch Erwerb vom „Nichteigentümer", nicht aber vom „Nichtaussteller".81)
2#) Auch der Romanist lehnt nur aus dem Grunde, weil ein solcher
Rechtsschein weder zur Erklärung ausreicht noch in: Gesetze eine Grund-
lage findet, den Rechtsscheinsgedanken hier bei der Konstruktion ab, und nicht,
weil er angeblich den römischen Rechtsfiguren fremd ist (Legitimationsmittel
S. 47). Denn welcher Jurist wollte mit diesen allein unser nwdernes Recht
zu meistern versuchen?
27) Legitimationsmittel S. 25.
28) Archiv S. 171.
29) Dieses Erfordernis ergibt sich nicht nur aus dem Wortlaute der Definition,
sondern namentlich deutlich aus der von Jaco bi immer wieder betonten Parallele
des Schutzes Dritter nach 88 935.und 794 BGB., s. z. B. Wertpapiere S. 181.
'0) Dazu Wertpapiere S. 177 ff.
21) Bei diesen wohl unstreitigen Fällen sehe ich von dem Archiv S- 171

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