Volltext: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 37 (1912))

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Hans Schreitet.

führen lassen. So F.-K. Des Fours (1679), F.-K. Ko law rat
(1697), F.-K. Schönborn (1711), Raupach (1719) F.-K. Schön-
feld (1746). Auch hier ist nicht an Familien gedacht, die zur
Ergänzung der Stiftsfähigkeit der zu erwartenden Kinder aus-
reichen, sondern an solche, die selbst schon voll stiftsmäßig, an Frauen,
die stiftsfähig sind. Das ergibt nicht nur die Anlehnung an das
bisher Ausgeführte, sondern schlagend die einmal gebrauchte ent-
wickeltere Ausdrucksweise, F.-K. Stampach 1767: Folger muß sich
„stiftsmäßig oder wenigstens mit einer Dame, so von
Väter- als mütterlicher Seite 3 Grad erproben kann,
verheiraten, damit ihre Kinder die Stiftsmäßigkeit er-
langen können". Hier ist es ganz klar ausgesprochen, daß man
unter stiftsmäßiger, standes- und stiftsnläßiger Heirat und dergleichen
schon an die volle Stiftsfähigkeit der beiden Eheleute als Eltern der
zu erwartenden Kinder dachte. Auch die Wendung F.-K. Gilleis
1732: Berufen ist, wer „sich stiftsmäßig mit einem deutschen
Geschlecht . . . verheuratet hat" kann dann nicht gut anders
verstanden werden.
Auch hier überall läuft also die „StiftsMäßigkeit" auf die
„Stiftsfähigkeit" hinaus, und es ist speziell für den gewöhnlichen
(sachlich mit dem jetzigen H. schen übereinstimmenden) Fall, als der
Sohn dem Vater zu sukzedieren hat, schon wegen dieser Heiratsnormen
allein (weitere Detailbestimmungen über die Erfordernisse für die Nach-
folge liegen mir nicht vor) Stiftsmäßigkeit der Eltern im Sinne von
voller Stiftsfähigkeit beider Elternteile notwendig.
Soll aber die Stiftsfähigkeit erst auf die Kinder ab-
gestellt werden, so daß für die Eltern, namentlich für die Mutter,
respektive Frau (des Vaters) auch schon die geringere, für die Eltern -
reihe ausreichende Ahnenzahl genügen soll, so wird dies ausdrücklich
und umständlich erklärt. So Piccolomini, böhmisches Fidei-
kommiß 1656, wo verlangt werden Gattinnen von solchem Adel, daß
die Söhne überall stistsmäßig sind: . . . olle la Noglie habia da
esser di tal qnalita, che in riguardo di lei i figluoli procreati di
tal matrimonio possino entrare et essere canonici in qualsisia
Stift deF Imperio. Ja es wird gelegentlich sogar disjunktiv
erklärt: „stiftsmäßig oder wenigstens ..." wie in dem eben behandelten
Fall Stampach. Oder aber man drückt sich besonders nuancierend,

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