Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 37 (1912))

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Hans Schreuer.

zweiges dargetan werden. Es würde gar nicht genügen, wenn jemand
bloß die Stiftsmäßigkeit seines Hauptgeschlechtes, dessen Namen und
Wappen er führt, dartun wollte, und dazu allenfalls noch ebenso die
Stiftsmäßigkeit der übrigen 7, 15, 31 Wappen. Notwendig müssen
gerade und in erster Linie die auf dem Stammbaum ver-
zeichn et en Geschlechtszweige erprobt werden. Ist hier alles
ohne Widerspruch in Ordnung, dann mag ja das auf den ersten Blick
nicht so hervortreten, daß in dem „Geschlechte", das zu erproben ist,
eben auch und ganz besonders, ev. sogar ausschließlich, der auf der
Stammtafel verzeichnete Zweig begriffen ist. Weist aber der Geschlechts-
zweig, soweit er auf die vorgeschriebene Stammtafel kommt, irgendwo
einen Mangel auf, so nützt es gar nichts, daß die hier mangel-
hafte Familie anderwärts, wo sie tadellose Linien auf die vorgeschriebene
Ahnentafel bringen kann, als stiftsmäßig anerkannt ist. Für den kon-
kreten Stammbaum ist das Geschlecht unstiftsmäßig.
Das tritt am schärfsten hervor, wenn der eine Vorfahr in-
mitten der Tafel den Adel verloren hat. Bei einer Acht-
ahnenprobe können sehr wohl die obersten acht Ahnen schon von alten
stiftsmäßigen Geschlechtern abstammen. Wenn aber etwa der mütter-
liche Großvater (Großvater mütterlicherseits) des Aspiranten den Adel
verloren hat, so daß möglicherweise sogar die Mutter des Probanten
bürgerlich ist — kann da die Ahnenprobe noch als gelungen bezeichnet
werden? Die Filiation, eheliche Abstammung, ist ja in Ordnung und
jetzt sollte bloß noch erwiesen werden, daß die acht Urgroßeltern schöne
Namen haben. Ich glaube, niemand wird sich finden, der trotz der
Herkunft des Probanten aus acht Geschlechtern, deren Angehörige auf
den reserviertesten Hochstiftern zu finden sind, die Ahnenprobe für ge-
lungen erklären würde.
Wenn es also heißt, nach durchgeführter Filiationsprobe (Erweis
ehelicher Abstammung; Estor S. 14, § 26, 26) müsse „eines jeden
auf dem Stammbaum befindlichen Geschlechts - Ritterbürtigkeit und
Stiftsmäßigkeit... bezeugt werden" (Estor S. 14 f. § 27), es müßten
„hienach gesetzte 32 adeliche Geschlechter und Familien ... stiftsmäßig
sein" (Aufschwörungsbeispiel daselbst S. 130), oder ähnliches, so be-
deutet hier Geschlecht oder Familie zum allermindesten die auf dem
Stammbaum verzeichneten Linien: die dort verzeichneten Personen
müssen bis auf den Probanten hinunter insgesamt korrekt sein. Gegen

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