Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 18 (1900))

Vertrag und Uebergabe.

L
ist; jedenfalls muß auch der etwaige mittelbare Eigenbesitzer seine Zu-
stimmung geben. Fehlt es an dieser Zustimmung, so kann der Detentor
(Detentionsbesitzer) ein Konstitut nicht vornehmen, wenigstens nicht
ohne weiteres; denn er kann den Eigenbesitzer nicht stillschweigend durch
einen Vertrag mit einem Dritten und die darin (im Dreitakt) ent-
haltene Besitzergreifung entthronen, er kann es nur dann thun, wenn
er sich in offener Weise von ihm losmacht, wenn er erklärt, von^nun
an nicht mehr einen von ihm abgeleiteten, sondern einen selbständigen
Besitz haben zu wollen?) er muß also dem Eigenbesitzer den Eigen-
besitz wegnehmen, er nmß es dadurch thun, daß er das bisherige Ver-
hältniß, auf dem der Besitz des Eigenbesitzers beruht, kraft dessen der
Eigenbesitz sich auf seinem Detentionsbesitze aufbaut, als nicht mehr
maßgebend erklärt; er muß also einen Besitzbruch vornehmen, dann
erst wird er Eigenbesitzer und damit zum Konstitut befähigt?) Dies
beweist auch kr. 32 § 1 de poss.:
si conductor rem vendidit et eam ab emptore conduxit et
utrique mercedes praestitit, prior locator possessionem per con-
ductorem rectissime retinet.
Wenn der Pächter die Sache hinter dem Rücken des Verpächters
veräußert, sie von dem neuen Erwerber wieder pachtet und beiden den
Pachtzins zahlt, so ist der erste Besitzer Besitzer geblieben.
Wäre das Gegentheil — wer wäre noch seines Besitzes sicher?
Der bündigste, realste Beweis des mittelbaren Besitzes, die Zins-
zahlung, würde mich nicht davor sichern, daß mein Herr Miether unter-
dessen einen zweiten Herrn eingesetzt hätte; und wenn es sich um eine
bewegliche Sache handelt und auf solche Weise die Ersitzungszeit hin-
durch sortgewirthschaftet würde, so würde der gutgläubige fremde Mann
Eigner, obgleich ich meine Sache lediglich in der Hand des Miethers sah!
8) Hierüber ausführlich Pininski, Thatbestand des Sachbesitzerwerbs
Bd. 2 S. 70 f., wo auch die frühere Litteratur. Vorzügliches Material enthalten
zu dieser Frage fr. 3 § 18, fr. 47 de possess., fr. 68 (67) pr. de furt., fr. 1 § 9
quod legat.
*) Die Frage ist viel erörtert worden. Verfehlt Reichsgericht 25. November
1887, Entsch. Bd. 19 S. 239; richtig Zurheller (Erlanger Differt. 1896) S. 15f.,
25f., unrichtig Blatzheim (Erlanger Differt. 1897) S. 43f. Die früheren
Juristen hegten keinen Zweifel, daß nur der Besitzer, nicht der Detentor das
Konstitut vornehmen könne, Biermann, traditio ü«ta S. 112f., 200f. Vgl.
beispielsweise Bartolus zu 1. 18 de poss.

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