Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 18 (1900))

2

I. Köhler.

die man neuerdings in vollständiger Verkennung der Sachlage so Un-
richtiges und Verkehrtes gesagt hat.
Die That des Celsus, kr. 18 pr. de adq. poss., bestand zu-
nächst darin, daß er den Tradenten als Stellvertreter des Erwerbers
zuließ. Da die Tradition darin besteht, daß der Erwerber mit Zu-
stimmung des bisherigen Besitzers den Besitz ergreift2) und da die
Besitzergreifung auch durch Stellvertreter geschehen kann, so kann der
Tradent:
1. erklären, daß er in seiner Eigenschaft als Tradent zur Besitz-
ergreifung des Erwerbers seine Zustimmung giebt, er kann
2. als Stellvertreter des Erwerbers den Besitz ergreifen und, wie
ein sonstiger Stellvertreter im Besitzerwerb, die Sache als Detentions-
besitzer für den Erwerber innehaben — sofern der Andere ihm zu dieser
Stellvertretung Vollmacht giebt.
Hiernach bedarf es also zunächst einer vom Tradenten aus-
gesprochenen Gestattung, es bedarf sodann der Vollmacht des anderen
Theils und einer Besitzergreifung des Tradenten: der bisherige Besitz des
Tradenten macht eine solche an sich nicht überflüssig; denn der bis-
herige Besitz ist sein Eigenbesitz, der neue Besitz aber ist der Eigen-
besitz'des Erwerbers, ^) den der Tradent nun als Detentor zürn Aus-
druck bringen soll?) ;
Die große Neuerung des Celsus bestand aber nicht bloß darin,
daß.er überhaupt diese Konstruktion ausgewiesen und dein praktischen
Recht eine neue Geschästssorm dargeboten hat. Sie bestand noch in
folgendem: ■
Schon bei der brevi mann traditio, bei der kurzhändigen Üeber-
tragung, hatte sich der Satz herausgestellt, daß, wenn der Tradent seine
Uebereinstimmung zur Besitzergreifung des Detentor kundgiebt, es von
Seiten dieses nicht mehr einer realen Thätigkeit bedarf, sondern der
Besitz durch bloße wörtliche Erklärung des Detentors erworben wird.
Mit Rücksicht darauf nämlich, daß der Erwerber bereits, in seiner
Person die Besitzthatsache verkörpert, bestimmte man,'daß es nur noch
2) Arch. f. civ. Praxis'Bd- 61 S. 151 f.
b) Nec muto mihi causam possessionis, sed desino possidere et alium
possessorem ministerio meo facio.
4) Nec idem est possidere et alieno nomine possidere; nam possidet,
oujus nomine possidetur, procurator alienae possessioni praestat ministerium.

Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer