Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 18 (1900))

Civilistische Rundschau.

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fertig vor. Man hat es dabei mit einer sehr bedeutenden Leistung zu thun,
die mit all' der begrifflichen Schärfe und der Selbständigkeit der Ausfaffung
verfaßt ist, die jeder Leser Hölder'scher Schriften bei ihm kennen und schätzen
gelernt hat. So wird auch dieses Buch von Neuem der Erforschung der
schwierigen Probleme des Allgemeinen Theiles, denen Hölder's Arbeit be-
kanntlich auch schon früher vorwiegend zugewandt war, in hohem Maße dien-
lich sein, nicht selten freilich werden auch die darin entwickelten Ideen lebhaften
Widerspruch Hervorrufen.
So werthvoll Hölder's Buch aber auch ist, so sehr muß ich bezweifeln, ob
es tu seiner Eigenart dem Bedürfniß der Praxis für den täglichen Gebrauch ent-
sprechen wird. Dazu ist es nicht nur zu breit angelegt, sondern setzt auch dem
Verständniß des Lesers, seiner schnellen Information, durch Anlage und Dar-
stellung zu große Schwierigkeiten entgegen. Man lese z. B. nur die ebenso
tiefgehenden wie schwerverständlichen Bemerkungen zu 8 147, S. 325—326. Dem
Werth für die Wissenschaft thut das natürlich nur geringen Abbruch, und sie
wird aus Hölder selbst dann mehr schöpfen, als aus den meisten anderen Kom-
mentaren, wenn diese in der Praxis einen größereit Einfluß gewinnen sollten.
Auch wird man dem von anderer Seite gefallenen Wort, Hölder's Buch sei
weniger ein Kommentar als ein Lehrbuch, solange nicht beipflichten können, als
man der Kommentarlitteratur einen höheren Beruf, als den einer bloßen
Speisung unmittelbar praktischer Bedürfnisse, zuerkenttt.
Von Einzelheiten seien tmr erwähnt: die treffliche Bekämpfung der „Rechte
an Rechten", S. 204, die Erörterung über wesentliche und unwesentliche Be-
standtheile, S. 210—213, die feinen Bemerkungen zu 8 139, S. 310, und zu
8 141 (Bestätigung), S. 313—314. Zu weit geht die Behauptung S. 92, daß
der Kranke nientals am Orte der Heilanstalt seinen Wohnsitz habe; zu eng ist
die Abgrenzung des Begriffs „gemeinsame Gefahr" im Sinne des 8 ‘^0, S. 119.
Wenn endlich Hölder auch für das neue Recht die Fiktionstheorie zur Er-
klärung der juristischen Person heranzieht, so wird man ihm dabei noch weniger,
als für das römische Recht, folgen können (S. 525).
Wie man über diese und andere Einzelpunkte auch denke — sicherlich ist
Hölder's Kommentar eine der werthvollsten Erscheinungen der Litteratur.
k) Von dem schort lange vorbereiteten „Anwaltskommentar" aus dem
Vahlen'schen Verlage ist nunmehr der fünfte Band (Erbrecht) als Erstling
erschienen?7) Diese Bearbeitung, die wir einem der angesehensten Berliner
Anwälte, R. Wilke, verdanken, ist gleichfalls eine Zierde der Wissenschaft des
neuen Rechts. Durch gute, übersichtliche Darstellung und Anordnung, durch
taktvolle Auswahl des Gebotenen, das sich ebenso fernhält von ermüdender
Breite wie von fragmentarischer Kürze, wird dieser Kommentar allen berechtigte»
27) Das Bürgerliche Gesetzbuch mit dem Einführungsgesetz mit Kommentar
in Anmerkungen herausgeg. von den Rechtsanwälten Geh. Justizrath R. Wilke,
E. Koffka,'Geh. Justizrat Dr. F. Reatz und Dr. H. Neumann. Fünfter
Band: Erbrecht. Berlin, Fr. Vahlen, 1900. VIII u. 337 S. Preis M. 6,50,

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