Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 18 (1900))

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Leo Eg er.

Gesetze die schriftliche Abfassung zur Bedingung des Schutzes.") Der
Gesetzgeber, der diese verschiedenartige Auffassung kannte, hat eine dies
bezügliche Bestimmung nicht ausgenommen. Es geht aber zu weit, cut*
dem Ersatz der bisherigen Bezeichnungen für das Schutzobjekt durch die
Bezeichnung „Schriftwerk" eine solche Bedingung herauslesen zu wollen.",
Ein Schriftwerk ist ein Werk, dessen Verbreitung durch die Schrift zu
geschehen pflegt, im Gegensatz zu Werken der bildenden Kunst. Ob kt*
Werk tut einzelnen Falle schriftlich fixirt ist oder nicht, ändert an seinem
Wesen nichts. Auf diesem Standpunkt steht auch Köhler, der sogar
von detn wesentlich engeren Ausdrucke des französischen Gesetzes, ecrit,
sagt, daß er nur von der gewöhnlichen Art der Manifestirung her-
genommen sei.") Ganz allgemein erklärt auch Dernburg") ein
Schriftwerk als ein in Worten oder die Worte vertretenden Zeichen
verkörpertes Geisteswerk.
So lange allerdings eine Aufzeichnung und Verbreitung noch nicht
möglich ist, wird auch von der Existenz eines Schriftwerkes noch nicht
die Rede sein können. Berechtigt ist daher das Verlangen Gierte's/ ' »
wonach das Werk dergestalt äußerlich fixirt sein muß, daß die Wieder
gäbe durch Schriftzeichen erfolgen kann. Es genügt danach auch,
wenn es in einer die Aufzeichnung durch Andere ermöglichenden Form
mündlich mitgetheilt ist, wie z. B. bei einer Improvisation und einem
Vortrage.")
In weit höherem Maße gilt das für die phonographische Fixirung.
Während z. B. die Aufzeichnung und Vervielfältigung eines Vortrage»
sowohl stenographische Fähigkeit erfordert wie Verständnis; und keines-
wegs eine mechanische Arbeit ist, ist bei der phonographischen Fixirung

*o) Dambach, Gesetzgebung S. 13; Eisenlohr, Sammlung der Gesetze
und internationalen Verträge zum Schutze des litterarischen und artistischen
Eigenthums, Heidelberg 1856.
") Die Ueberschrift „Schriftstücke" über dem ersten Absätze des Gesetzes
ist ein Druckfehler, Dambach S. 11.
") Autorrecht in Jhering's Jahrbüchern Bd. 18 S. 324.
1S) Preußisches Privatrecht Bd. 2, 1897, S. 943.
") Deutsches Privatrecht Bd. 1, Leipzig 1895, S. 769.
15) Vgl. auch Reichsgericht (Entscheidung des I. Civitsenats vom 19. De
zember 1888 in Bd. 22 der Entscheidungen in Civilsachen S. 175): Das zu
schützende Objekt muß fähig sein, durch die Schrift mitgetheilt zu werden; ferner
Wächter, Autorrecht, Stuttgart 1875, S. 50 und 84.

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