Volltext: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 18 (1900))

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Alexander Elster.

willen bekannt geben, da er ja berechtigt ist durch die Leistung. Er
aber braucht den Berechtigungswillen nicht zu beweisen. Freilich
würde ich andererseits dem Auslobenden den Gegenbeweis gestatten,
daß der Berechtigte von der Auslobung nichts gewußt hat oder nichts
gewußt haben kann, ein Kontrahirungswille mithin nicht dagewesen sei.
Der Beweis des Auslobenden wird schwer zu führen sein, ist er aber
zu führen, so fällt die Präsumption, daß ein Vertrag zu Staude ge
kommen sei. Das ist aber nur eine Falle für den Auslobenden. Der
Berechtigte kann ja jederzeit, auch später noch, auf Grund seiner
Leistung die Annahme erklären, sodaß jedes Wort des Auslobeuden
den Kontrahirungswillen herbeiführen, jeder versuchte Gegenbeweis
durch die Annahmeerklärung zunichte gemacht werden kann. Mit der
Annahme aber wird der Vertrag geschlossen; nach erbrachter Leistung
schon und nach geschlossenem Vertrage aber giebt es keinen Rücktritt
mehr?^) — So muß die bona fides entscheiden.
Es bleiben noch die Fälle, in denen eine Ueberreichung nicht
möglich ist, wie z. B. bei dem Ergreifen eines Verbrechers. Die Be-
lohnung auf diese Leistung ist keine höchstpersönliche. Mit der Leistung
also muß sich der Bewerber berechtigen. Eine ausdrückliche Willens-
erklärung kann hierbei nicht gefordert werden, der Kontrahirungswille
ist zu präsumiren! —
So ist also entweder die Ueberreichung des opus oder, wo dies
nicht möglich ist oder nicht gefordert wurde, die Leistung selbst der
Annahmeakt. Der Kontrahirungswille, wo er nicht ausdrücklich aus-
gesprochen ist, muß präsumirt werden83) — außer bei den oben be-
sprochenen persönlichen Auslobungen.
Freilich kann der Wille auf Nichtabschluß des Vertrags gehen,
d. h. verzichten kann der Berechtigte natürlich, dies muß aber besonders
zum Ausdruck kommen.
Wie sich dies speziell auf den Fall des Todes des Berechtigten
anwendet, darüber in § 14!

82) Es ist also hinfällig, was Lichtenstein und andere sagen, daß aus
der Vertragstheorie Kenntniß des Bewerbers während der Leistung verlangt
werden müsse.
8S) „Es genügt, daß ausdrücklich oder faktisch acceptirt wird". Ob.-App.-
Ger. Lübeck 1852. Seuffert IX 275.

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