Volltext: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 18 (1900))

Auslobung.

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Auslobung aufgeben," denn das ist eben keine Konstruktion; außerdem
steht „die Unbestimmtheit der Person ebensogut der Pollizitation wie
dem Vertrage entgegen." — Kuntze meint, wenn er im Anschluß an
die Pollizitationen das einseitige Versprechen allgemein für bindend
erklärt, so gewinnt er damit bei der Auslobung „die Unwiderruflichkeit
als Regel und eine leichte prozessualische Durchführung." "33) 34) Werm
auch nicht unbedingt mit Exner dieser Gewinn der Unwiderruflichkeit
als gar kein Gewinn anzusehen sein wird, so ist doch anzunehmen,
daß es nicht der Analogie der Pollizitationen bedarf, um Unwider-
ruflichkeil smit oder ohne Ersatz des negativen Interesses^ zu statuiren.
Zudem ist es doch von größter Wichtigkeit, daß die Pollizitationen eine
öffentlich-rechtliche Institution sind. Was von einseitigen Versprechen
zu halten sei, darüber setze ich mich unten im § 6 mit Siegel aus-
einander, aber für Offerten an unbestimmte Personen beweisen die
römischen Pollizitationen nichts.3^)
Auch die anderen einseitigen Versprechen, dotis dictio, votum
und iurata operarum promissio, sind alle — auch das Votum — an
bestimmte (auch wenn nur als existent gedachte) Personen gerichtet.
Für die dotis dictio ist nur soviel gesagt, daß von den strengen Form-
vorschriften — Stipulation u. dgl. — abgesehen werden tann;36) das
Votum aber gehört ins Sakralrecht. Die Unbestimmtheit der Person
ist aber, — auch nach dem Zeugniß von Vangerow* * 3^) und Regels-
berger33) — gerade das, was den Römern und uns die Theorie der
Auslobung so schwer macht. Denn als sich den Römern ein Fall bot, wo
sie einen Vertrag cum iucerta persona hätten anerkennen müssen, da
haben sie es geflissentlich vermieden und eine Mittelsperson als vorerst
Berechtigten eingeführt. Nämlich in Bezug aus die Verpflichtung des
Arrogators, beim Tode des Arrogirten dessen Vermögen dann an die
nächsten Erben des Arrogirten herauszugeben. Anstatt hier das Ver-
33) A. a. O. S. 299.
34) Strikte Unwiderruflichkeit, auch ohne Reugeld (neg. Interesse zu er-
sehen) zu statuiren, läßt aber selbst die Analogie der Pollizitationen nicht zu,
da man sich ja von ihrer Erfüllung mit '/s seines Vermögens loskaufen kann.
35) Denn ob Ausnahme nur aus Zweckmäßigkeitsgründen erlassen oder
ob sie noch zur Zeit unmöglich ist, ist ein Unterschied.
3«) Vgl. Ooä. Dllooä. III 13, 4.
3TA. a. O. S. 255.
38) A. a. O. S. 197.
Archiv für bürgerliches Recht. XVIII. Band.

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