Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 18 (1900))

Auslobung.

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negotium aliquid; ja noch mehr, sie verkennen den Kontakt zwischen
Hein Versprechen und der Bewerbung ganz und gar, reißen dies beides
auseinander und konstruiren aus der Leistung selbst einen neuen
selbständigen Innominatkontrakt mit vertauschten Rollen, indem der
Promissor dat, ut promittens det, nicht, wie es ursprünglich hatte
sein sollen, ein do ut facias des promittens. —
Diese Künstelei zeigt eigentlich zur Genüge, daß selbst mit dieser
wichtigsten Stelle und mit den Innominatkontrakten nichts zu machen
ist, — dazu kommt aber, daß auch dies alles von Kontrakten und
Versprechen an bestimmte Personen handelt, daß also gerade von den
Eigenheiten einer Auslobung hier nicht eimnal eine leise Andeutung
sich findet.
Nicht anders verhält es sich auch mit fr. 22 eodem.
Aber der unbestimmten Person nähert sich die c. un. de suffragio
4,3 und wird auch besonders von Bülow als eine echte Auslobung
angesehen,25) indem er behauptet, die Worte 'ferri sidi a quoquam
8nifragium postulaverint* „gestatten auch nicht einmal, einen sofort
mit einem gewissen Hofmanne abgeschlossenen Vertrag anzunehmen."
Wollen nun schon Schütze und Tzschirner, denen sich auch
Oertel anschließt,2H aus den Worten 'et ob referendam vicem se
sponsione constrinxerint* und dem weiteren Inhalt der constitutio
einen Kontrakt mit einer bestimmten Person entnehmen, so ist dem
beizupflichten, ja noch hinzuzufügen, daß wenn wirklich ein solcher Be-
stechungsmodus in seinen Folgen klagbar war, er wohl nicht so all-
gemein gegen jeden aus dem Volke oder aus den Hofkreisen verkündigt,
sondern mit jedem einzeln abgemacht wurde, und daß, wenn man
wirklich quisquam nicht als jedwelchen, mit dem man kontrahirte,
verstehen darf, dies eben ein singulärer, keineswegs präjudizieller Fall war.
Was aber das auch von Bülow herangezogene furtum
conceptum27) betrifft,- bei welchem an die conquisitores, die die ge-
stohlene Sache in der Behausung zu suchen hatten, eine Belohnung für
den Finder ausgesetzt war, so zeigt das für das römische Recht nichts
weiter, als daß, um Klagbarkeit zu begründen, mit allen conquisitores

25) A. a. O. S. 277.
26) A. a. O. S. 16, 17.
27) A. a. O. S. 277, 278.

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