Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 18 (1900))

Auslobung.

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zur Unterscheidung betrachtet werden müssen; so ist der iactus missi-
lium20) kein Versprechen, sondern eine Gabe!
Der Automat endlich ist eine Offerte an unbestimmte Personen,
die jederzeit durch Geldzahlung angenommen werden kann; man könnte
sich gemüßigt fühlen, dies in den Begriff der Auslobung hineinzuziehen,
aber mit Unrecht: Der Automat giebt keinen Lohn für eine Leistung,
sondern bildet einen Modus des Verkaufes, der sich in seinen Formen
freilich ein wenig mit der Form der Auslobung berührt. Sonst müßte
man ja selbst z. B. das Auslegen von Brödchen (mit Preis) im
Wirthshaus als Auslobung ansehen; es ist doch wohl ein Unterschied,
ob ein Preis für eine Leistung ausgesetzt oder eine Leistung für einen
gewissen Preis offerirt wird. Das sind eben Aufforderungen zu Kauf-
geschäften,2^ event. Offerten zu Kaufgeschäften, aber nichts anderes.
Wenn schließlich die zu erfüllende Bedingung rein potestativ ist,
nur auf den Willen des Erwerbers ankommt, so ist dies Dienstmiethe
und nicht mehr Auslobung.
Damit ist denn der Begriff der Auslobung auch nach außen begrenzt.
II. Die Theorie.
A. Die Theorie nach römischem Recht.
8 4.
<Die genannten Quellenstellen sind, um nicht unnöthigen Raum zu beanspruchen,
nicht wörtlich aufgeführt worden, man vgl. also das Corpus iuris.)
Einige im § 1 angeführte Beispiele haben gezeigt, daß das Institut
der Auslobung im römischen Recht nicht unbekannt war; aber daß es
andererseits als Rechtsinstitut, d. h. als Form einer klagbaren Obli-
girung, nicht angesehen wurde, ist die Ansicht der meisten gemein-
rechtlichen Schriftsteller. — Es giebt drei Hauptarten der Anknüpfung,
wie man die Auslobung aus dem römischen Recht erklärt,
1. die Theorie der Innominatkontrakte,
2. die Pollizitationstheorie,
3. die Theorie des iactus missilium.

20) Vgl. unten § 4.
21) Wie z. B. auch das Steigerungsgebot von seiten des Auktionators, der
nur zum Bieten reizen, nicht aber sich binden will.

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