Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 18 (1900))

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Alexander Elster.

Das Steigerungsgebot (von seiten des Bieters) ist eine Offerte,
die sich ans Wort bindet bis zu dem Zuschlag des Auktionators oder
Zurückweisung durch Höhergebot. Auch die Auslobung ist eine Offerte
oder Zusicherung, die sich bindet, aber nicht bis zur bloßen Annahme
oder einer Resolutivbedingung (Höhergebot), sondern bis zur Einreichung
eines opus und dies als Suspensivbedingung.
Auch aus dem Erforderniß der Einseitigkeit sind einige Ab-
grenzungen herzuleiten, wie Jhering die Stiftung heranzieht. Gewiß
ist eine Denkform derart möglich, daß man die Stiftung (für Arme, Rekon-
valeszenten u. dgl.) als eine fortgesetzte Auslobung ansieht; aber erstens
läßt sich schon über das opus streiten, und weiter ist doch nicht außer
Acht zu lassen, daß mit der Stiftung eine juristische Person eingesetzt
wird, also die Konstruktion doch ein wenig anders sich gestalten muß
als bei der Auslobung.
Schließlich ist hier noch votum und pollicitatio von der Aus-
lobung zu trennen. Diese beiden römisch-rechtlichen Institute sind bis
vor kurzer Zeit stets als Anknüpfungspunkte für die Auslobung an-
gesehen worden, und fast in allen Pandektenlehrbüchern wird die Aus-
lobung bei der Behandlung der „Pollizitationen" gestreift. Charakteristisch
dafür ist, wie Wendt im § 193 seiner Pandekten als einzige Aus-
nahmen des Konsensprinzipes, also als einzige Fälle einseitiger Schuld-
verpflichtung „Pollizitation, Gelübde und Auslobung" aufführt. Man
gründete also, weil man mit der „einseitigen" Auslobung nichts anzu-
fangen wußte, die Lehre auf jene beiden römischen Rechtsinstitute, indem
man vergaß, daß dieselben rein öffentlich-rechtlich sind und dem Sakral-
recht angehören. Wie wenig aber mit der Analogie von pollicitatio
und Votum aus diesen und anderen Gründen zu machen ist, wird sich
unten im § 4 noch ergeben. Zudem ist votum und pollicitatio an
bestimmte und existente (oder mindestens als existent gedachte) Personen
gerichtet, deren Annahmeerklärung nur unnöthig oder unthunlich erscheint
und nur, wie Exner^) mit Recht sagt, „statt freudigen Dankes skrupu-
löses Mißtrauen an den Tag legen würde".
Bei der Abgrenzung berührender Rechtsinstitute war hier also meist
die „persona incerta“ Trennungsgrund, doch giebt es auch Geschäfte
mit einer incerta persona, die unten auch zur Vergleichung, hier nur

») A. a. O. S. 343.

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