Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 39 (1913))

17. Vom Getrenntleben der Ehegatten nach dem russischen Recht

14.

Vom Getrermtleben der Ehegatten
nach dem russischen Recht.
Nach russischen Quellen bearbeitet von M. B. Pa che.
Die seit jeher maßgebend gewesene Auffassung der Kirche
über das Wesen der Ehe ist auch in der bürgerlichen Gesetz-
gebung zunt Ausdruck gelangt. Nach der russischen Rechtsauf-
fassung schließen zwei Menschen, die miteinander die Ehe ein-
gehen, eitlen Bund fürs Leben; denn nach den Worten der
Hl. Schrift bilden „diese zwei einen Leib" -und nur der Tod
allein kann sie scheiden. Eheschließung und Ehescheidung sind
daher Akte, welche einzig und allein vor die geistlichen Behörden
competieren. Bei der Bedeutung, welche die orthodoxe Kirche,
als die herrschende Staatskirche, seit Wladimir dem Großen
(988) im russischen Reiche genießt, erscheint dieser Einfluß der
Religiorr auf die Gesetzgebung erklärlich. Die Stellung der
Ehefrau im russischen Recht ist dementsprechend in Vermögens-
und personenrechtlicher Beziehung eine recht eigenartige. In
vermögensrechtlicher Beziehung genießt sie grundsätzlich eine
viel größere Freiheit als ihr in anderen -Ländern zuerkannt
wird; nach dem System der Gütertrennung ist ihr im Gesetz
Freiheit über ihr Vermögen und die Verwaltung desselben ge-
währleistet. Andererseits befindet sie sich in um so stärkerer
Abhängigkeit vorn Manne gegenüber den westeuropäischen Gesetz-
gebungen, wenn sie die eheliche Gemeinschaft aufheben will,
ohne die Scheidung zu betreiben. Jnbezug auf ihre Person
steht dem Manne fast uneingeschränkte Gewalt zu.

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