Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 39 (1913))

Anspruch auf Erteilung des Dienstzeugnisses. SIS
Inhalt und Wirkung von Zeugnis und Quittung ganz ver-
schieden. Das Zeugnis bezweckt das bessere Fortkommen seines
Inhabers: bei der Quittung ist hiervon keine Rede, hingegen
bezweckt diese, was wiederum beim Zeugnis wegfällt, die Füh-
rung eines Beweises über die Bewirkung einer Leistung. Das
Zeugnis enthält außer jener (tatsächlichen) Aussage über die
Leistung des Schuldners noch ein beurteilendes 18) Moment,
welches der Quittung, als welche sich in dieser (tatsächlichen) Aus-
sage erschöpft, ihrer Natur nach ganz abgeht. Das Zeugnis bewirkt
ein besseres oder schlechteres Fortkommen seines Inhabers, durch
die Quittung führt man einen Beweis.19) So kann man sich
denn — und das ist entscheidend — über geleistete Dienste
sowohl ein Zeugnis als auch eine Quittung geben lassen. Ferner
kann der, welcher ein Zeugnis erteilt hat, hierüber eine Quittung
verlangen, was wohl nicht gut möglich wäre, wenn das Zeugnis
selber die Natur einer Quittung hätte, da man sich über eine
Leistung, die selbst Quittungsnatur besitzt, nicht — nochmals —
quittieren lassen kann. Diese Ablehnung der Quittungsnatur
braucht nicht zu stören: Es braucht ja nicht alles mit einem
bekannten Maße gemessen zu werden.

18) Selbst wenn es nur von Art und Dauer des Dienstverhält-
nisses spricht, denn auch hierdurch wird der Inhaber charakterisiert,
da es nicht gleichgültig ist, in welcher Stellung und wie lange jemand
gearbeitet hat.
19) Auch das Zeugnis kann man zwar zu einem Beweis ver-
werten, nämlich, daß man eine gewisse Zeit lang in einer gewissen
Stelle gearbeitet hat usw., aber dieser Beweis ist nur das Mittel
zu dem eigentlichen Zweck des Zeugnisses, dem Fortkommen des In-
habers zu dienen, und wird außerdem einem Dritten, dem neuen Dienst-
herrn, gegenüber geführt. Die Quittung aber hat als eigentlichen
Zweck nur einen Beweis, und zwar der anderen Vertragspartei gegen?
über.

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