Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 39 (1913))

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Kitz.
Der Grund der verbindlichen Kraft der „customs" liegt
also im Equity, in ultima analysi, also im'(zwar nicht aus-
drücklich betonten, aber dennoch innewohnenden) Grundprinzip
des Gesetzes; die Anwendung der Bolksgewohuheiten ist eine
Art der aus der Equity sich ergebenden Gesctzesinterpre-
tation.^) Durch diese ausdrückliche Formulierung muß m.E.
die heute herrschende englische Theorie ergänzt und modifiziert
werden. i

§7-
5)a§ Case Law.
Die methodische Anerkennung der schöpferischen Kraft der
Richtersprüche hat im englischen Recht zur großen Tragweite
der richterlichen Entscheidungen, der sog. Präzedenzfälle (preoe-
ckents) geführt. Denn Theorie und Praxis müssen die durch
die Richtersprüche geltend gemachten Rechtsprinzipien ebenso,
wie die direkten Produkte der Gesetzgebung, als
Bestandteile des Rechtssystems erachten. Wenn also der Richter
bei der Beurteilung eines konkreten Falles keine genügende
Anweisung im geschriebenen Rechte findet, so wendet er sich
sofort zu den Produkten der richterlichen Rechtsschöpfung; wie
Carter in seiner bereits zitierten Schilderung ausführt: „if
he finds that a similar state of facts has been considered
by them and the pronounced in reference to it, he declares
the same rule law“.
So werden die bei der Entscheidung einzelner Fälle (cases)
verwerteten Rechtsgrundsätze wiederholt angewendet, bis sie all-
mählich als Bestandteile des tatsächlich geübten Rechts
werden. Deshalb kann die englische und anglo-amerikanische
Theorie behaupten: „In England and in the United States
a reported case may be cited with almost as much confidence
as an Act of Parliament, on the Continent a judgement, so
useful as showing the view of the law held by a qualified

“J Vrgl. K i ß, Gesetzesauslegung, Jherings I. 58. 486, auch
Anm. 3 (daselbst).

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