Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 39 (1913))

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Schöndorf.

der Schtvicrigkcit der Vermögensverwaltung durch das Interesse
des Mündels geboten erachtet" endlich auch, „wenn die uneheliche
Mutter zum Vormund bestellt wird und die Mitwirkung eines
Mitvormundcs zur Wahrung der Interessen des unehelichen
»indes notivendig ist." Auch hier must gefragt werden, warum
der Mit Vormund nicht auch dann zu bestellen sei, wenn ein
Vormund es verlangt nnd wenn „besondere Gründe" ihn auch
bei Vorhandensein eines männlichen Vormunds als geboten er-
scheinen lassen ? Es ist dies eine kleinliche, veraltete Anschauung
von der Frau, die ans solchen Sätzen spricht. Die Zukunft, für
die doch die Novelle bestimmt ist, wird sie nicht begreifen und auch
in der Gegenwart brauchen Oesterreichs Frauen keine derartigen
Sondervorschriften, nachdem man im benachbarten Deutschen Reich
ohne sie auskommt. 81792 BGB. spricht zwar vom Gegen-
vormund (der dem österreichischen Mitvormund entspricht), schafft
ihn aber nicht zum Ueberwachungsorgan ausschließlich für die
Vormünderin um (vgl. auch den subroge tuteur im code civil
Art. 420 ff.).51) Freilich steht da Behauptung gegen Behauptung
— Erl. 71 sprechen noch von „Bedenken, die etwa gegen
die Bestellung einer Frau und (besonders) der unehelichen Mutter
zur Vormünderin obwalten könnten." Um diese Bedenken, die in
manchen Köpfen noch immer herumspuken, zu widerlegen, müßte
man durch exakte Erforschung des „lebenden Rechts" i n
Deutschland, wo die Vormünderin an keinen speziell für
sie geschaffenen Mitvormund gebunden ist, dartun können, daß
Fälle, wo Vormünderinnen einen Mitvormund verlangen oder
wo ein solcher ihnen wegen Schwierigkeit der Verwaltung bei-
gestellt werden müßte, nicht bedeutend öfter Vorkommen, als
bei männlichen Vormündern. Dann wäre für Deutschland er-
wiesen—-und dies müßte natürlich auch für die Oesterreicherinnen
öl) Dagegen stehen auf dem Standpunkt des Entw. die Gesetze
gedungen: Bayerns aus dem 18. Jahrh., Hamburgs aus dem 17. Jahrh.
und das russische Partikularrecht der Gouvernements Tschernigow und
Poltawa (Art. 232 und 295 der Zivilgefetze), das seinerseits aus dem
s. g. Littauer Statut des 16. Jahrh. stammt, — eine Gesellschaft, die
für den modernen Entw. nicht besonders schmeichelhaft ist, wenn er sich
auch von ihr durch die quasi-fakultative Bestellung des Mitvormundes
unterscheidet.

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