Volltext: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 39 (1913))

Doppelvrrkauf emes Grundstücks. 11b
aude r wirksam werden könnten. Vielmehr will das Gesetz
nur sagen, daß die beiden Momente, jedes für s i ch, den
Gefahrübergang zu vermitteln geeignet seien.
Für die Annahme, daß das Gesetz an ein Zusammentreffen
der beiden Möglichkeiten nicht gedacht hat, finde ich einen Be-
weis auch im § 446 BGB. selbst; und zwar in der Bestimmnng
über die Nutzungen der verkauften Sache. Diese sollen vom
Uebergang der Gefahr, also von der Uebergabe oder Eintragung
an, dem Käufer gebühren. Wern sollen dann aber, wenn beim
mehrfachen Verkauf desselben Grundstücks dem einen Käufer
tradiert, dein arideren übereignet und damit die Gefahr an-
geblich auf beide Käufer übergegangen ist, die Nutzungen ge-
hören? 8 446 BGB. beantwortet die Frage nicht, eben weil
er nicht an die Möglichkeit dieses Zusarnnrentreffens vorr Ueber-
gabe und Uebereignung als Gefahrvermittler gedacht hat. Beide
Käufer können die Nutzungen doch unmöglich bearrspruchen. Wel-
cher von beiden aber dann? Unzweifelhaft nur der, welcher
die stärkere Rechtsstellung hat. Und das ist eben, wie wir
geseherl haben, der eingetragene Käufer, der kraft eigenen Rech-
tes, nämlich kraft seines Eigentums, wie den Besitz, so auch
die Nutzungen der Suche für sich erzwingen kann. Ist das
aber richtig, so ergibt sich daraus, daß §446 BGB., weil er
die Möglichkeit des gedachten Zusammentreffens von Ueber-
gabe und Uebereignung nicht in Rechnung gezogen hat, auch
keinen Anhaltspunkt dafür gewähren kann, ob und welchem'
von den beiden Akten bei einem solchen Zusammentreffen die
eine wichtigere Bedeutung innewohnt. Die hier bekämpfte
Theorie geht denn auch davon aus, daß Uebergabe und Ueber-
eignung in ihrer Bedeutung als Gefahrvermittler einander gleich-
wertig sind, und folgert daraus, daß der eine Käufer so gut wie
der andere die Gefahr trage und deshalb auch jeder für sich
den Kaufpreis zahlen müssen. Diese Prämisse von der Gleich-
wertigkeit der beiden Gefahrvermittler ist für den Fall ihres
Zusammentreffens falsch. Gewiß ist es richtig, daß Uebergabe
und Uebereignung sich insofern gleichstehen, als jeder dieser
Akte für sich, einer so gut wie der andere, den Gefahrübergang
vermitteln kann. Um diese Gleichwertigkeit, die das Gesetz

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