Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 43 (1919))

Aktienübernahme und Aktienzeichnung.

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forderung oder Einladung seitens der Gründer, daß die Zeich-
ner meist einander nicht Keimen, auch nicht miteinander, sondern
nur mit den Gründern in Beziehung treten, daß die Möglichkeit
der Ueberzeichnung und Zurückweisung von Zeichnern gegeben sei,
daß den Gründern die große Masse der Zeichner gegenübersteht,
welche zum Teil den Gründern entgegengesetzte Interessen ver-
folgt, endlich und vornehmlich, daß die Gründer als die Schöpfer
des Unternehmens äe facto und bis zu gewissem Grade äs fürs
das Heft in der Hand behielten— alles das „verführe dazu,
in das Wesen der Zeichnung fremde (d. h. individualrechtliche)
Momente hineinzubringen". An anderer Stelle spricht Leh-
mann sogar von einem dem einseitigen Akt „nebenhergehenden
Vertrage mit den Gründern", meint allerdings, das sei nur
„naturales Beiwerk" (S. 348, Anm. 8). Immerhin, wie man
zugeben muß, etwas viel naturales Beiwerk, recht zahlreiche
„fremde" Momente! Ebenso wie Lehmann wehrt sich Aver-
beck (S. 6) von vornherein dagegen, daß dem Umstande, daß
„gewisse, auf gemeinen Zivilrechtssätzen beruhende Rechtsver-
hältnisse aus dem Zeichnungsakte möglicherweise erwachsen kön-
nen oder auch ihn regelmäßig als Akzessorien (!) begleiten,"
bei der Wesensbestimmung der Zeichnung Bedeutung beigelegt
werden dürfe. Dabei will er nicht leugnen, daß die Einladung
zur Aktienzeichnung „sich sehr wohl als eine Offerte charakteri-
sieren kann" (S. 6). Ja, er will sogar neben seinem aktien-
rechtlichen Akt der Annahme der Zeichnung eine „ander-
weitige" Annahme gelten lassen, die sich in der Regel als
„Anspruch und korrespondierende Verpflichtung auf Lieferung
einer bestimmten Zahl Aktien der Gesellschaft — lediglich be-
dingt durch das Zustandekommen derselben — charakterisiere".
Alles dies erweckt nicht gerade den Eindruck, als ob die
Theorien vom einseitigen Statusakt das Wesen der Zeichnung
restlos erklärten. Denn die sogenannten „Akzessorien" sind so
zahlreich, daß man sie bei der Bestimmung des juristischen
Charakters der Zeichnung nicht wohl einfach beiseite schieben
Kann. Es ist Mar bequem, alles für „Beiwerk" zu erklären,
kms zur Theorie nicht paßt; es scheint aber richtiger zu sagen,
daß die Theorie zu dem zu erklärenden Institut nicht paßt. Und

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