Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 36 (1911))

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Langen.

Ob die Annahme eines von dem Genannten unterstellten
Redaktionsversehens sich rechtfertigen läßt, soll späterer Prüfung
Vorbehalten bleiben; hier möchte ich zunächst lediglich zeigen, daß,
wenn man überhaupt ihre Auffassung für fachlich zutreffend
und dem Willen des Gesetzes entsprechend hält, sie direkt aus dem
Gesetzeswortlaut, d. h. also ohne willkürliche Zwangseingriffe in
diesen, hergeleitet werden kann. Nur ist die dann notwendige
Einschränkung für die Anwendbarkeit des Satz 2 § 2007 nicht mit
Wilke diesem selbst zu entnehmen, sie liegt vielmehr schon in Satz 1.
Dessen Anfang: „Ist ein Erbe zu mehreren Erbteilen berufen,"
läßt sich nämlich ungezwungen durch die Worte auflösen: Überall
dort, wo und in dem Umfange, wie ein Erbe zu mehreren Erbteilen
berufen ist, bestimmt sich seine Haftung für die Nachlaßverbindlich-
keiten in Ansehung eines jeden der Erbteile so, als ob die -Erb-
teile verschiedenen Erben gehörten. Daher tritt die getrennte Be-
handlung hinsichtlich der Haftung für die Nachlaßverbindlichkeiten
gegenüber allen Nachlaßgläubigern ein, wo die mehreren Erb-
teile schlechthin als besondere gelten; gelten sie nur rücksichtlich be-
stimmter Verbindlichkeiten als besondere Erbteile, was in den
Fällen der Erhöhung oder Anwachsung für Vermächtnisse und
Auflagen zutrifft, so greift die getrennte Behandlung ausschließ-
lich bezüglich dieser Verbindlichkeiten Platz. Für den letzteren
Fall schränkt dann Satz 2 § 2007 die selbständige Behandlung
mehrerer Erbteile auch in dem begrenzten Umfange noch weiter
ein, indem sie nur eintreten soll, wenn die Erbteile verschieden
beschwert sind. Das hat einen guten Grund insofern, als die
getrennte Behandlung vom Standpunkte des Gesetzes eine durch
Billigkeitsrücksichten gebotene Ausnahme ist und daher lediglich
dort gelten darf, wo diese es erheischen. Sind aber die Erbteile
gleich beschwert, so scheint eine getrennte Behandlung fachlich
für den Erben und die Gläubiger ohne Interesse. Denn gleich ist
die Beschwerung ausschließlich dann, wenn dasselbe Vermächtnis
oder dieselbe Auflage im gleichen Umfange auf allen dem Erben
anfallenden Erbteilen ruht, der Erbe also durch das Hinzukommen
des weiteren Erbteils um nichts mehr mit Vermächtnissen oder
Auflagen belastet wird, als er es schon vorher war. Und bei
einer solchen gleichen Beschwerung bleibt es bedeutungslos, ob

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