Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 36 (1911))

108 Ritter, Durchkonnossemente und große Haverei.
halb ohne weiteres der Fracht gleichstellen dürfte. Man darf des-
halb auch solchen Vorschuß nicht als Fracht unter Versicherung
bringen. Auch dann nicht, Wenn man ihn, wie es der Condor
getan hat, der Einfachheit wegen im Konnossement mit dem Be-
trage der wirklichen Fracht zusammenzieht. Würde man ihn als
„Fracht" versichern, so würde man das Interesse unrichtig be-
zeichnen, die Versicherung für den Versicherer unverbindlich sein
(Allg. SeeVB. § 2 Abs. 2 Satz 2). Dessen war man sich auch im
vorliegenden Falle wohl bewußt. Der Condor hat nämlich keine
Frachtversicherung für 10000 Jl genommen, sondern verständiger-
weise eine Versicherung „auf Ozeanfracht usw. taxiert auf
10000 Jl a/400 Ballen Baumwolle ex Dampfer Irak im
Dampfer Condor, gehend von Bremen nach Reval". Der Ver-
sicherer mußte daran erkennen und erkannte daran, daß es sich
teils um einen im Risiko des Versicherungsnehmers stehenden
Vorschuß, teils um wirkliche Fracht handelte, um eine Versicherung
also, die teilweise Frachtversicherung, teilweise Forderungs-
versicherung war, d. h. die Versicherung einer Forderung, wie sie,
ohne persönliche Haftung, dem Schisfsgläubiger- oder Ladungs-
pfandrechte zugrunde liegt.
Die Fracht trägt nach § 721 HGB. nur mit zwei Dritteilen
des Bruttofrachtbetrags bei. Denn wenn die Havariegrosse-
maßregel nicht getroffen wäre, wenn die Güter untergegangen
wären, hätte der - Verfrachter zwar die ganze Fracht verloren,
dafür aber auch Ausgaben erspart, die das Gesetz rund mit einem
Dritteil der Fracht veranschlagt (Prot. z. ADHGB. 2746).
Welchen Sinn würde es, von diesem Gesetzeszwecke aus betrachtet,
haben, wenn von dem Vorschüsse gemäß § 721 HGB. ein Dritteil
abgezogen werden müßte? — Vgl. auch HGB. §§ 711 Abs. 3,
715, 719.
Deshalb: Fracht muß doch Fracht bleiben.

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